“Nicht die Zeit, um klein beizugeben”

Das Kinderhilfswerk World Vision stellt fest: Es wurde viel erreicht, aber es ist immer noch weitere Unterstützung für Erdbebenopfer in Haiti nötig, denn noch immer leben 500.000 Menschen in Zelten. Deshalb muss die internationale Gemeinschaft helfen.  Kurz vor dem zweiten Jahrestag des Erdbebens in Haiti appelliert die Kinderhilfsorganisation World Vision an die internationale Gemeinschaft, Zusagen für den Wiederaufbau des Landes einzuhalten.

Vor zwei Jahren bebte in Haiti die Erde. Fast 300.000 Menschen kamen ums Leben, über eine Million wurden obdachlos. Und auch heute noch leben mehr als 500.000 Menschen in Zeltlagern. “Haiti hat durchaus eine Chance. Vieles wurde auch schon erreicht – aber es gibt auch noch viel zu tun. So gibt es einfach kaum öffentliches Land, auf dem neue, bezahlbare Wohnungen errichtet werden könnten”, erklärt Harry Donsbach, der als Leiter der Nothilfe von World Vision bis vor wenigen Wochen auf der Insel im Einsatz war. “Trotz all der Fortschritte, die wir in Haiti erreicht haben, bleibt noch viel zu tun. Auch die Internationale Gemeinschaft steht in der Pflicht, ihre Zusagen für den Wiederaufbau einzuhalten.”

Zu den Erfolgen der Hilfsorganisation zählt Donsbach unter anderem die vielen Hilfsmaßnahmen im Anschluss an das Beben. So konnten mehr als 2,5 Millionen Menschen mit Nahrung versorgt werden. 14.000 Menschen wurden mit Übergangszelten versorgt, Hunderttausende mit Trinkwasser und etwa 7.000 Kinder erhielten Zugang zu Bildung und Spielmöglichkeiten.

Auch die Wiederaufbau-Projekte kommen gut voran. Dank der Spenden und Kooperationspartner in Deutschland konnte im September unter anderem eine Schule für 800 Kinder in der Siedlung Corail eröffnet werden.
Der nationale Leiter von World Vision, Jean Claude Mukadi bestätigte jedoch, dass der Erfolg von Haiti nicht nur vom Einsatz internationaler Hilfsorganisationen abhängig ist. „Haiti kämpft seit Jahrzehnten um Entwicklung“, sagt Mukadi. „Hilfseinsätze und Entwicklungsbemühungen sind nicht genug, um Haiti bei nachhaltiger Entwicklung zu helfen. Die internationale Gemeinschaft hat bisher etwa 4,6 Milliarden Dollar bereit gestellt, die jedoch nur 43% ihrer Zusagen entsprechen. Diese Unterstützung sowie die Führungskompetenz der Regierung von Haiti werden entscheidend für den Erfolg Haitis sein. Die internationale Gemeinschaft darf Haiti jetzt nicht im Stich lassen.“

World Vision ist seit mehr als dreißig Jahren aktiv in der Entwicklungshilfe für Haiti tätig. Dadurch war World Vision als eines der ersten Hilfsteams bereits innerhalb von wenigen Stunden im Einsatz. Im Anschluss an die ersten Hilfsmaßnahmen hat World Vision Maßnahmen gegen die im Oktober 2010 ausgebrochene Cholera etabliert: Zugang zu sauberem Wasser, Wasserspeicher, Wasserreinigungstabletten, Cholera-Behandlungszentren und Aufklärungsmaßnahmen in Bezug auf die Prävention und Behandlung dieser Krankheit. „Wir sind zufrieden über den Fortschritt unseres Cholera-Aufklärungsprogramms, das bereits rund 200.000 Menschen erreicht hat“, berichtet Dr. Lesly Michaud, Leiter des World Vision Gesundheitsprogramms in Haiti. „Das hilft uns nicht nur kurzfristige, sondern auch langfristige Präventionsmaßnahmen in diesem Gebiet sicherzustellen.“

Die Spenden für Haiti konnten sinnvoll eingesetzt werden. Bis September 2011 hat World Vision fast 90 Prozent der Spendeneinkünfte für das gesamte Erdbeben-Hilfsprogramm ausgegeben. Aktuell hilft die Organisation Familien, von Übergangscamps in feste Wohnsitze zu ziehen. Außerdem werden langfristige Gemeinde-Entwicklungsprojekte in Gebieten außerhalb der Hauptstadt Port au Prince fortgesetzt.
„Das ist keine Zeit, um klein beizugeben, sondern um vorwärts zu streben“, sagt Jean Claude Mukadi. „Jene, die ihre Zusage einer Zusammenarbeit mit den Menschen in Haiti gemacht haben, um eine Zukunft zu bauen, müssen ihre Zusagen auch erfüllen. Armut hatte Haiti schon vor dem Erdbeben im Griff, doch mit der Erholungsphase beruhigt sich die Lage. Es ist nun eine Gelegenheit, sich eine Zukunft auszumalen und auf dieser eine bessere Zukunft für Kinder, ihren Familien und Gemeinden in Haiti aufzubauen.“

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