Archiv für Mai 2008

Ärzte-Pfusch an der künstlichen Wurzel

Mai 26, 2008
Die moderne Implantologie macht’s möglich: Bereits 600.000 Patienten haben sich im vergangenen Jahr anstatt konventioneller Brücken künstliche Zahnimplantate einsetzen lassen. Doch Vorsicht: Unter den rund 3000 Implantologen in Deutschland gibt es auch dubiose Anbieter – so die Welt.
Wer einen Zahn verloren hat, möchte einen möglichst natürlichen Ersatz dafür. Rein optisch schließt ein Zahnimplantat so eine Lücke sehr unauffällig und ist vom echten Zahn kaum zu unterscheiden. Aber es gibt noch einen Grund, die künstliche Wurzel einer konventionellen Brücke vorzuziehen: Die gesunden Nachbarzähne müssen nicht beschliffen werden – so entfällt das Risiko, dass die Zähne geschädigt werden.

Etwa 600.000 Zähne mit künstlicher Wurzel haben Zahnmediziner in Deutschland im vergangenen Jahr ihren Patienten eingepflanzt, schätzen Experten. Mit der rasant zunehmenden Zahl dieser Zahnimplantate nehme auch die Zahl von unseriösen Anbietern dieser Behandlung zu, warnen Experten. Unter den rund 3000 Implantologen in Deutschland tummeln sich nach Meinung des Düsseldorfer Kieferchirurgen Martin Bonsmann derzeit rund 50 „schräge Vögel“, die durch „unseriöse Werbung“ auf sich aufmerksam machten.

Viele der fraglichen Zahnmediziner versprächen das perfekte und sofort belastbare Implantat binnen einer Stunde, sagte Bonsmann. Im Normalfall könne jedoch eine Grenze von zwei bis sechs Monaten vor der Belastung des neuen Zahnes nicht unterschritten werden: „Das ist wie bei einem Knochenbruch nach einem Skiunfall.“

Patienten, denen ein Kunstzahn empfohlen werde, sollten sich vor der Behandlung genau nach der Qualifikation, nach möglicher Zusatzausbildung des Arztes und der Zahl seiner Implantationen erkundigen, hieß es. Empfehlenswert sei es auch, noch ein weiteres ärztliches Urteil einzuholen.

Gleichwohl bedeute die moderne Implantologie, die heute durch revolutionäre Methoden etwa beim Aufbau des Kieferknochens völlig neue Möglichkeiten habe, einen großen Fortschritt in der Zahnheilkunde. Eine „Erfolgsquote“ der Implantate, wonach der künstlich eingesetzte Zahn auch nach einem Jahrzehnt noch voll funktionsfähig ist, liege bei „deutlich über 90 Prozent“, sagt Professor Günter Dhom, Zahnmediziner aus Ludwigshafen. Inzwischen habe die Fachgesellschaft für Implantologie ein spezielles Fortbildungssystem für Zahnmediziner eingeführt.

Stellungnahme auf dem Ärztetag zur E-Card

Mai 26, 2008

Ausgezeichneter Beitrag von Dr. Axel Brunngraber, Hannover, zur E-Card auf dem Ärztetag in Ulm, den wir in ungekürzter unkommentierter Ausführung hier einstellen wollen!

Auszug aus der Aussprache zum Tagesordnungspunkt IV
des 111. Deutschen Ärztetages 2008 in Ulm

„Dr. Frank-Ulrich Montgomery: Herr Brunngraber, Sie haben das Wort.
Dr. Axel Brunngraber, Hannover: Guten Morgen, Herr Vizepräsident, sehr geehrter
Tagungsleiter, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich möchte an den Vorredner
anknüpfen und sage: wir danken für das Papier, das vom Vorstand vorgelegt
worden ist. Man hat sich die Mühe gemacht, die vielen Argumente, die wir voriges
Jahr in Münster vorgetragen hatten und die kritische Teile der Ärzteschaft, die sich
diesem Projekt nicht ohne Wenn und Aber anschließen wollen, in diesem Jahr auch
weiterentwickelt haben – man hat unsere kritischen Argumente vorgetragen,
zusammengetragen, man hat sie aber leider nicht zur Blüte ihrer Argumentationsline
fortgetragen.
Was wir in der Zwischenzeit sehr ärgerlich fanden – und das, muss ich sagen, finde
ich nicht sehr fair: dass die Apologeten – oder sagen wir mal: die Anwälte – dieses ja
von außen an die Ärzteschaft herangetragenen und uns Ärzten zur Unterschrift
vorgelegten Projektes, dass diese Verteidiger dieses Systems immer sagen, die
Kritiker würden von völlig irren, hahnebüchenen Vorstellungen ausgehen. Ich
erachte es aber selbst für die Verteidiger des eCard-Systems als recht sinnlos, sich
einen eCard-Gegner auszudenken, der von A bis Z alles falsch verstanden hat,
und den dann vor dem Publikum abzuwatschen. So kommt man mit seinen
Argumenten sicher nicht voran…
(Beifall)
Ich möchte – ohne dem ersten Referenten zu nahe zu treten – hier doch einmal
vortragen – es ist ja eine Diskussion unter Ärzten und nicht unter Politikern: Was sind
Datenschützer? Datenschützer sind eben keine IT-Sicherheitsexperten wie etwa der
Chaos-Computer-Club oder gewerbliche, in der Wirtschaft tätige. Datenschützer sind
im Prinzip meistens Juristen, die die Aufgabe haben, die Übereinstimmung einer
Regelung wie etwa die der eCard mit übergeordneten Bundesgesetzen auf Deckung
zu überprüfen. Und dann – bei einer Nicht-Übereinstimmung – ihre Kritik zu üben.
Ich möchte sagen – wenn Sie das bitte als Scherz verstehen wollen – es wäre so, als
wenn Sie einen im befreundeten amerikanischen Staatssystem ja üblichen
„Elektrischen Stuhl“ von einem deutschen VDE-Ingenieur untersuchen lassen
würden. Auf CE, auf VDE-Tauglichkeit, TÜV Rheinland, auf – sagen wir mal –
antiallergene Beschichtung der Sitzfläche. Aber: die Frage, ob eigentlich die Tötung
eines Menschen auf dem Elektrischen Stuhl aufgrund von Strafgesetzen moralisch
überhaupt akzeptabel ist?
(Beifall)
Und da kommen wir! Und dann sagen wir dem VDE-Ingenieur natürlich: „Vielen Dank
für Ihre prima Arbeit. Sie haben Ihr Studium offenbar gut gemeistert. Aber jetzt
kommen wir, jetzt kommen die Ärzte!“ Und wir dürfen dieses ganze Projekt einzig
von da aus beurteilen, wir müssen es letzten Endes unterschreiben und anwenden.
Das ist das, was die Delegierten auch schließlich nachher mit ihrem Votum
bekräftigen müssen. Die Deutsche Ärzteschaft hat es in der Hand, der Bevölkerung
gegenüber zu sagen, das, was die Politik – wir wissen, wie diese Gesetze in der
Politik durchgepeitscht worden sind – was die Politik hier vorlegt, können das die
Ärzte mit ihrer Unterschrift verifizieren? Unseren Patienten sagen: „Das hat unseren
TÜV-Stempel, Sie können sich auf unser kritisches Urteil verlassen. Diese eCard ist
in Ordnung!“ Darüber müssen wir hier diskutieren, hierüber dann am Ende befinden.
Das wird uns abverlangt!
Ein nächster Punkt: hier wurde zwar von Tests durch die Ärzte geredet. Herr
Bartmann hat gesagt – da das ja auch nicht zu verheimlichen ist, es stand ja in allen
Zeitungen: die Test haben horrible Ergebnisse. Die Tests sind auch selber horribel!
Wir wissen z.B., dass die eCard-Kryptographie im Februar 2008 überhaupt erst
ausgeschrieben worden ist. Fragen Sie mich bitte nicht, was überhaupt getestet
worden ist. Es ist wie ein Auto, wo der Motor jetzt erst ausgeschrieben wird. Man sitzt
drin auf einem Verkehrsübungsplatz, guckt, ob der Scheibenwischer geht – was sind
denn das für Tests?!
(Beifall)
Aber selbst diese Tests haben gezeigt, dass der Scheibenwischer nicht einmal geht!
Das ist auch ein Testergebnis! – Und Herr Bartmann sagt „Diese negativen
Testergebnisse werden wir einarbeiten!“ Na klar. Aber am Ende nicht vielleicht den
Motor noch vergessen!
Meine Damen und Herren, wir fragen uns, warum der Kollege Meißner aus
Flensburg nicht eingeladen worden ist, hier als Testarzt zu reden. Warum z.B.
der Kollege Korsch aus Wolfsburg nicht eingeladen worden ist.
(Beifall)
Herr Meißner hat gesagt: „Wenn man diese Tests mitmacht, sieht man, dass wir hier
sehenden Auges das ganze System an die Wand fahren!“ Herr Korsch hat gesagt:
„Wenn dieses System so durchgesetzt wird, dann wird in 50 Prozent der Praxen das
Licht ausgehen. Man wird dann überhaupt keine Patienten mehr versorgen können!“
Das erfahren wir hier nicht. Sondern wir erfahren nur „Interessant! Diese Tests geben
uns wichtige Hinweise.“ Das finde ich wirklich zu mager!
Der nächste Punkt: Verlust des Schlüssels. Wenn diese eCard in den Jeans
mitgewaschen worden ist. Oder die Karte sonst wie verloren gegangen ist. Dann
kann es doch gar nicht sein, dass man diesen Datensatz jemals rekonstruiert. Wenn
es dafür einen Zweitschlüssel gäbe, dann haben wir doch keinen Datenschutz!
Lassen Sie sich das bitte auf der Zunge zergehen!
(Beifall)
Zum „USB-Backup“. Das USB-Stick-System – das ich nicht befürworten möchte, das
ich aber als ernst zu nehmende alternative Anwendung ansehen möchte – dass das
System kein Backup hätte, das ist doch unglaublich! Das Backup liegt in den Praxen,
in unseren Akten! Wenn diese USB-Sticks verloren gehen, dann rekonstruieren wir
aus unseren Dokumentationen, die doch primär wir haben. Es ist doch nicht so, dass
die Arztakte jetzt auf den zentralen Servern geführt wird. Sie wird ja weiter in
unserer Praxis geführt. Also das erscheint mir als ein falsches, untaugliches
Argument!
Auch das Argument, dass die Privatwirtschaft – Herr Henke hatte ich letztes Jahr in
etwa gesagt: „Wenn wir hier negativ urteilen, dann schlägt sich BIG IT auf die
Schenkel!“ Das ist doch ein Pseudoargument! Der Witz ist doch, dass Microsoft und
Google gar nicht in der Lage wären, an die erforderlichen Daten heranzukommen.
Gerade das staatlich verordnete, alle Patienten gesetzlich verpflichtende System
einer globalen Speicherung sämtlicher Gesundheitsdaten einer
Gesamtpopulation, das macht doch die Sache für die Wirtschaft erst interessant.
Deswegen muß ich sagen, bei wirklicher Kenntnis der Fakten und des Marktes sind
das zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.
Ich möchte Ihnen jetzt ein anderes Argument vortragen. Wenn Sie ein gemütliches
kleines Eigenheim bewohnen und Sie sitzen mit Ihren Kindern im Herbst am Kamin.
Und Sie finden am nächsten Tag einen Brief im Briefkasten, Sie sollen diesen
Kamin jetzt in eine kleine thermonukleare Brennanlage umstellen lassen. Weil
man nicht wüsste, ob es künftig überhaupt noch Brennstoff gäbe. Und weil alle
anderen es auch so machen. Sie müssen Dosimeter tragen, Sie müssen Ihr Haus
mit Bleiwänden nachrüsten, Sie müssen eine funktionsfähige Zugangskontrolle im
ganzen Haus realisieren. Weil Sie mit thermonuklearen Brennstoffen natürlich auch
im kleinen Maßstab nicht umgehen können wie mit Kaminscheiten!
Wir sehen den Sinn dieser komischen Regelung mit einer eCard überhaupt
nicht ein! Die Patienten werden von uns untersucht, die Untersuchungen werden
dokumentiert. Die viel beklagten Schnittstellenprobleme zwischen Praxis und Klinik
haben wir doch seit Jahrzehnten bewältigt.
(Beifall)
Wir Niedergelasssenen müssen sogar feststellen, dass wir augrund anderer Eingriffe
wie DRGs seit Jahren in ihrer Qualität immer weiter abnehmende Arztbriefe
bekommen. Der Arbeitsdruck und die Personalverdünnung in den Krankenhäusern
führen dazu, dass die Informationsqualität abnimmt. Ob die uns nun auf Papier oder
auf einem USB-Stick oder über einen Zentral-Server geliefert werden, das ist doch
eigentlich Wischwerk! Es geht doch primär um die Qualität der ärztlichen Arbeit,
die dahinter steckt.
(Beifall)
Ich möchte mir auch ersparen, auf viele eingestreute Worte einzugehen, die ich als
anmaßend finde! Herr Weichert hat gesagt, man würde hämisch darauf reagieren,
wenn die Rollout-Termine ständig platzen. Also ich denke, wenn einem meiner
Patienten der OP-Termin dreimal platzt – und er und seine Familie haben sich darauf
eingestellt, dass er nun am Dienstag laparotomiert wird. Dann ist das doch keine
Häme, sondern es ist wirklich eine echte Enttäuschung und Angst vor einem
System, das nicht einmal seine Termine halten kann. Das ist doch nicht hämisch,
wenn wir das kritisieren! Wenn wir Ärzte das nicht kritisieren würden, was wären wir
denn für Untergebene ohne Selbstbewusstsein, dass wir alles akzeptieren müssen.
Wir müssen unsere Termine ja auch einhalten!
Zur individuellen Zustimmung durch den Patienten. Herr Weichert hat gesagt, wir
hätten ja ein modernes Gesundheitssystem. Dass der Patient nach ärztlicher
Auffassung oft nicht selbstbestimmt sondern vielmehr krank sei, das würde dazu im
Widerspruch stehen. O.k., vermutlich haben wir ja ein modernes Gesundheitssystem.
Zum größten Teil sicher auch deswegen, weil wir das als Ärzte selber geschaffen
haben. Und nicht, weil uns der Staat ein solches überlassen hätte. Aber, wir haben
immer noch „alte“ Patienten, Menschen, die einen genetischen Satz besitzen, der
Millionen Jahre alt ist. Und die mit Instinkten und archaischen Verhaltensmustern
ausgestattet sind. Dazu kommen das Altern und nachlassende geistige Kräfte – ich
darf an den gestrigen Tag erinnern, wo wir all das ja auf einem ausgezeichneten
Niveau diskutiert haben. Diesen Patienten PIN-Codes und juristisch haltbare
Willensentscheidungen abzuverlangen ist doch wirklich Unsinn! Das widerspricht
doch unserer gesamten Berufserfahrung! Das können uns doch nur Juristen
erzählen, dass wir in der Lage sein müßten, von den Patienten rechtsgültige
Einwilligungen zu erwirken.
(Beifall)
Wenn Sie die Standespresse verfolgt haben: ein Mitarbeiter des Bundesdatenschutzbeauftragten
hat im DÄB vor einigen Nummern verlautbart, der Patient
müsste seine Einwilligung ja lediglich „konkludent“ erteilen. Sie wissen
vielleicht nicht – ich bin seit vielen Jahren als Arztrechtler Richter am Sozialgericht –
was „konkludent“ bedeutet. Konkludent bedeutet, Sie haben nicht etwa eine
Einwilligung wie beim Unterschreiben eines Vertrages mehr zu leisten. Sondern man
beobachtet an Ihnen bestimmte Verhaltensweisen: Sie überreichen z.B. Ihre Karte
und Sie tippen einen Code ein. Diese beiden Verhaltenselemente – sagt der Jurist –
hätte man ja nicht gemacht, wenn man das nicht gewollt hätte. Sie haben auf diese
Weise konkludent eine Einwilligung erteilt! Das ist doch Wegelagerei! Das kann
man doch wirklich nicht als Maßstab für eine rechtsgültige Einwilligung akzeptieren!
(Beifall)
(An die Tagungsleitung gewandt) Zur Redezeit: auf dem letzten Ärztetag in Münster
bin ich gleich das erste Opfer einer 3-Minuten-Redezeitbegrenzung gewesen. Ich
sehe heute darin einen gewissen, kleinen Ausgleich.
(Beifall)
Aber ich werde versuchen, das nicht zu missbrauchen!
Nun zur Frage der Kosten: meine Damen und Herren, Sie haben es doch alle
gelesen, dass in Großbritannien ein – zwar strukturell etwas anderes – das gleiche
Ziel verfolgendes IT-Konzept bei Kosten von ca. 30 Mrd. Euro abgebrochen worden
ist. Wie will man da uns erzählen, dass es bei uns 1,5 Mrd. kosten soll?!
Fragezeichen! Doppelpunkt!
Ich erzähle es Ihnen.
Nach der großsprecherischen Auftretensweise „Wir werden Euch ein System
entwickeln wie den Transrapid. Das hat die Welt noch nicht gesehen! Aus
Deutschland kommt nun wieder das Licht!“ mußte man feststellen, das tatsächlich
nichts funktioniert. Und so hat man plötzlich das modulare der Einführung
System erfunden: die Salami-Taktik. Wir bekommen also für 1,5 bis 5 Mrd. Euro
ein System, das die bisherige KVK simuliert! Das heißt der gleiche Datensatz. Die
Computer tun auch nichts anderes, die Karte wird nur freigeschaltet für die
Funktionen, die mit der KVK identisch sind. Und dass diese KVK-Simulation – oder
Emulation, wie die Computer-Experten sagen – ungefährlich ist, glaub´ ich auch.
Wenn Sie über einer Stadt eine Hiroshima-Bombe ohne thermonuklearen Inhalt
abwerfen, da wird zunächst nur ein Blechschaden passieren. Das eine ist doch eine
Vorläufertestung von dem anderen! (Beifall) Wir kriegen eine trojanisches
Pferd, wir kriegen es für 4 bis 5 Mrd. und mit Störung unserer Praxisabläufe!
Und ich bitte hier die Klinikkollegen, sich das auch wirklich anzuhören. Denn
viele von Ihnen oder zumindest von Ihren Untergebenen werden auch einmal
Praxiskollegen sein – das hoffe ich, damit der ambulante Bereich nicht abstirbt. Das
wird also auch Sie betreffen. Das heißt, auch der Klinikkollege, der hier heute
Delegierter ist, hat ebenfalls ein Mandat auf dieser – vordergründig vorwiegend die
Niedergelassenen betreffenden – Ebene mitzudenken und mitzustimmen. Wir
bekommen also ein trojanisches Pferd ohne Füllung, in das dann später
verschiedene Funktionen nachgeschaltet werden können. Über die dann nicht
mehr die Ärztetage weiter entscheiden können! Das Ding ist dann drin und wird
freigeschaltet. (Beifall) Sie kennen das vielleicht von premiere oder
ähnlichen Boxen, wo unbemerkt und ohne Ihr Zutun die Software upgedatet wird.
Und so haben Sie praktisch einen kleinen Roboter in ihrem Haushalt, der für seine
Auftraggeber Schaltungen vornimmt. Das können wir dann überhaupt nicht mehr
kontrollieren!
Dr. Frank-Ulrich Montgomery (unterbrochen durch anhaltende Buhrufe des
Plenums): Herr Brunngraber, gestatten Sie mir ganz kurz: zwar haben wir keine
Redezeit-begrenzung. Paragraph 13 unserer Geschäftsordnung sieht aber vor, dass
die Redezeit in der Regel nicht länger als 10 Minuten betragen soll. Lesen Sie § 13
der Geschäftsordnung. Nach meiner Uhr sind neun Minuten um und ich bitte Herrn
Brunngraber, § 13 der Geschäftsordnung zu beachten.
Dr. Axel Brunngraber, Hannover: Herr Präsident, Herr Montgomery, ich danke
Ihnen für den Hinweis. Der Blick in die Vorschriften hat häufig geholfen. Ich will es
versuchen zu berücksichtigen. „In der Regel“ heißt natürlich juristisch „Es ist nicht
bindend“.
(Beifall)
Und die Thematik – ich habe ja meine wesentlichen Punkte schon fast gebracht –
aber ich sage, die Thematik und auch die anstehende Entscheidung – es geht ja
hier nicht einfach darum, über die eCard nur zu reden. Sondern wir müssen nachher
die Hand heben, nicht zum Schwur, aber zur Entscheidung – rechtfertigen
sicherlich eine gewisse Ausführlichkeit. Insbesondere wenn wir hier einem Berg
von Argumenten, die zum Teil schon die Qualität von Pseudoargumenten gestreift
haben, abzuarbeiten haben. Durch die vorherigen Referate, möchte ich doch mal
bemerken!
(Beifall)
Ich möchte Ihnen also den Antrag IV-12 zu Herzen bringen, lesen Sie sich den noch
einmal genauer durch. Herr Prof. Kahlke u.a. haben auch in diesem Jahr gesagt „Wir
dürfen den erreichten Diskussionstand des letzten Jahres auf keinen Fall
zurücknehmen! Die zwölf Monate, die vergangen sind, zeigen, dass es alles noch
viel schlimmer ist als in Münster gesagt. Wir müssen diese Grenze halten und
eigentlich für die ärztliche freie Entscheidung Terrain dazu gewinnen! Das ist unsere
Aufgabe!“
In einem Aspekt möchte ich Herrn Prof. Hoppe für ein Argument danken. Für das
Hoppe´sche Bild, das wir hier zum Thema „Speckgürtel“1 gehört haben. Wir haben
gehört von „Gütesiegeln“, davon, dass wir IT-Audits in unserer Praxis veranstalten
müssen, Herr Prof. Hoppe, ich weiß nicht, ist das der dritte, vierte oder fünfte Gürtel?
Das ist wirklich genau das, was uns noch gefehlt hat in unserer Arbeit! Immer
weniger Ärzte, immer mehr Bürokratie, immer mehr IT, immer mehr Audits, immer
mehr Firmen, immer mehr Leute, die Hardware-Komponenten während der
laufenden Praxis auswechseln sollen.
Ich denke, das ist nicht mehr ein Speckgürtel, das ist wirklich Adipositas permagna!
Und das müssen wir hier durchbrechen!
Zehn Minuten knapp eingehalten? (tritt ab)
(lebhafter, anhaltender Beifall, Rufe: „Zugabe!“, Standing Ovations)
Dr. Frank-Ulrich Montgomery: Herr Brunngraber, der Applaus belegt, dass – hätten
Sie mich vorhin ausreden lassen – die Bestimmung des § 13 nämlich sagt … mit
Zustimmung der Mehrheit der Versammlung kann die Redezeit verlängert werden.
Sie haben es durch Ihren Applaus implizit so gestaltet. Ich danke Ihnen für diese
Wortmeldung.
Ulm, 23. Mai 2008
1 „Speckgürtel“: in etwa die Umlagerung des primär ärztliche Heilkunde Ausübenden durch
mehr oder weniger parasitäre Schichten von zunehmend fragwürdigen Partizipanten an
unserem Gesundheitssystem/ i.e. Zwischenhandel, Versicherungen, Berater usw.

Lu(kr)aktiv?

Mai 25, 2008

ohne Kommentar:

Ludwigshafen – Erstes Zahnprophylaxe-Zentrum startet mit Tag der offenen Tür

Am 30. Mai lädt das erste Zahnprophylaxe- Zentrum in Ludwigshafen zum Tag der offenen Tür. Von 13 bis 17 Uhr dreht sich in den Praxisräumen alles um das Thema „Prophylaxe – damit der Zahnarzt nicht kommt“. Zahnputztrainings für Kinder, individuelle Kurzberatungen und Flyer informieren über die Möglichkeiten, gesunde und schöne Zähne zu bewahren.

Ziel des ersten Zahnprophylaxe-Zentrums in Ludwigshafen ist es, durch Beratung und Präventionsmaßnahmen die Zahngesundheit von Kindern und Erwachsenen zu verbessern. Die Bürger sollen langfristig für das Thema Zahnprophylaxe sensibilisiert werden. Als Anreiz verlost die Firma Oral B am Tag der offenen Tür unter den Besuchern fünf top-aktuelle elektrische Zahnbürsten.

Schmerzfrei auf den Zahn fühlen

Geplant sind außerdem Demonstrationen der so genannten Professionellen Zahnreinigung,

kurz PZR, bei der völlig schmerzfrei Zahnstein und Zahnbeläge entfernt werden. Mit einem Zahnputztraining für kleine Besucher soll gezeigt werden, wie wichtig die sorgfältige Pflege insbesondere junger Zähne für dauerhafte Zahngesundheit ist. Den ganzen Nachmittag über können die Besucher außerdem in Kurzberatungen ihren Zahntyp bestimmen lassen und sich über individuelle Prophylaxe-Möglichkeiten informieren.

Anstoß geben zum ersten Schritt

Vielen Menschen sind die Vorteile einer gezielten Prophylaxe bislang nicht bewusst.

„In unserer Arbeit legen wir besonderen Wert darauf, individuell zu beraten

und Kindern wie Erwachsenen die Bedeutung von Zähneputzen und Zahnreinigung

näher zu bringen“, erläutert Corinna Leonhardt, die Leiterin des Zentrums.

„Denn der erste Schritt zu gesunden Zähnen ist die Zahnhygiene.“

In Zukunft plant Dr. Hildebrandt zusätzlich zur Einrichtung des Zahnprophylaxe-

Zentrums auch Vorträge und Präsentationen zur Mundgesundheit und der Prävention

vor Zahn- und Zahnfleischerkrankungen.

Wie RSS das Internet netter macht

Mai 13, 2008

E-Mail-Flut und ein berstendes World Wide Web verärgern die Surfer – Jetzt sollen Newsfeeds das Datenchaos organisieren – so die Stuttgarter Zeitung

So schön und hilfreich es auch ist, das Internet, man hat mit ihm doch auch seine liebe Not. Die Geschichte des weltumspannenden Datennetzes ist ja im Grunde bis heute eine Suche geblieben nach dem besten Umgang mit den vielmillionenfachen Datenquellen. Vor allem das World Wide Web, der neben dem E-Mail-Verkehr heute gebräuchlichste Internetdienst, hat seine Kinderkrankheiten nicht überwunden. Das Web ist – Google hin, Bookmarks her – unstruktiert und unbezähmbar und mitunter ist es auch schlichtweg unbrauchbar, weil es zu viele Daten auswirft oder zur Ansicht mancher Seiten eine spezielle Software verlangt.

Was Hypertextlinks, Suchmaschinen, dynamische Webseiten und Spamfilter nicht geschafft haben – nämlich Ordnung ins Datenchaos zu bringen -, verspricht eine Technologie, die auf die Abkürzung RSS getauft wurde. Für diesen griffigen Namen gibt es gleich drei Übersetzungen – auch das ist typisch Internet. Die Gebräuchlichste lautet Really Simple Syndication. Übersetzt drückt das ganz gut aus, was RSS kann: Es ist eine Technik, die auf ganz einfache Art Informationen aus verschiedenen Quellen im Web sammelt und diese in einer einheitlicher Darstellung zur weiteren Nutzung zur Verfügung stellt.

Stellen wir uns ’mal eine Cappuccinomaschine vor: Oben kommen die unterschiedlichen Zutaten rein. Das Mahl-, Brüh- und Dampfmaschinchen zaubert auf Knopfdruck daraus ein leckeres Heißgetränk und das in einem Bruchteil der Zeit, die man bräuchte, um all das mit Omas Kaffeemühle, Porzellanfilter und Milchtopf zu machen. Ganz ähnlich verfährt RSS-Software auch mit Seiten im World Wide Web. Es zermahlt den HTML-Code, es extrahiert daraus die eigentlich wertvolle Information, es lässt Texte, Bilder und Links durch einen Filter laufen und gießt diese schließlich in eine Datenbank. Von dort kann man sie auf Knopfdruck abrufen – beispielsweise in einer Artikelliste, die cleveren Suchmöglichkeiten bietet; oder als Füllmaterial für eine eigene Homepage; oder als Inhalt für ein Redaktionssystem, um daraus wieder Inhalte für neue Webseiten zu machen.

Das Ziel von RSS ist also, eine Rückkehr zur einfachen Informationssichtung. Dem bunten, lauten und flashigen Web setzt RSS eine strukturierte Informationsdarstellung entgegen, die auf XML (einer Weiterentwicklung von HTML) basiert.

Die Uridee hierzu entstand bereits 1997. Zwei Jahre später stellte der damalige Browseranbieter Netscape ein erste nutzbare RSS-Sammeltechnik vor. Vier Jahre später – maßgeblich angeschoben durch die Weblog-Netzkultur – kam RSS in die Gänge. Und im Jahre 2006 steht der eigentliche RSS-Boom bevor. Denn neue Software, die jetzt auf den Markt gekommen ist, macht erstmals die Nutzung von RSS-Newsfeeds ganz, ganz einfach.

Internetbrowser wie Firefox, Opera oder Safari haben sich des Themas angenommen und integrierten RSS-Techniken in ihre Oberfläsche. Ganz innovativ reiht Firefox zum Beispiel den abonnierten Newsfeed in einen Ordner für Lesezeichen ein. Nach jeder Aktualisierung sind dort neue Meldungen als active bookmarks abgelegt und auf Knopfdruck surft man zur Seite des jeweiligen Anbieters. Dass das Surfen als typische Form der Web-Nutzung damit am Ende sei, ist übrigens eine verbreitete Fehleinschätzung. RSS macht das World Wide Web und die dort abgelegten Informationen keineswegs überflüssig, es weist vielmehr einen schnelleren Weg zur richtigen Information.

Doch in der Tat ändert sich durch RSS die Art, wie der Internetnutzer seine Infoquellen besucht. Das kostenlose Mailprogramm Thunderbird betrachtet einen RSS-Newsfeed zum Beispiel wie eine E-Mail. Startet man das Programm, ruft es eben nicht nur die elektronische Post ab, sondern auch die abonnierten Nachrichtenanbieter. In der Nutzung sind beide Dienste dann wieder vollkommen identisch – auf einen Klick hin gelangt zur eigentlichen Nachricht auf dem Server des Anbieters. Zusätzlich kann man über Suchkriterien und Filtermechanismen das RSS-Angebot weiter ausdünnen um wirklich nur noch jene Nachrichten zu erhalten, die man suchte.

Weil RSS aber auch wieder dazu genutzt werden kann, um aus dem gesammelten Material neue Webinhalte zu erstellen, ist derzeit eine durchaus fragwürdige Entwicklung im World Wide Web zu beobachten: an zahlreichen digitalen Wegkreuzungen sind sogenannte RSS-Portale hochgezogen werden. Sie sind Sammelbecken für zahlreiche RSS-Nachrichtenkanäle. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, muss bezweifelt werden. Denn solche Portale füllen wieder unzählige Webseiten. Ob Mega-RSS-Kioske auf Dauer überleben, darf vorerst jedenfalls bezweifelt werden. Zudem agieren sie auf rechtlich fragwürdigem Boden, da sie selbst nicht die Nutzungsrechte an den Newsfeeds besitzen.

Was also bleibt? Hoffnung: RSS kann im besten Fall im Web diese eine, kleine Meldung finden, die alle Mühe wert ist. Und dann den Rechner aus und raus. Draußen riecht’s nach Frühling. Ist doch really simple.

Geringe Gefahr einer lärmbedingten Gehörschädigung in zahnmedizinischen Berufen

Mai 9, 2008

Laut der Deutschen Berufskrankheitenverordnung besteht für die Zahnärztin/den Zahnarzt
oder die Zahntechnikerin/den Zahntechniker keine direkte Gefährdung durch Lärm.

Zahnärztliche Turbinen produzieren unangenehme hochfrequente Geräusche, von denen
angenommen wird, dass sie das Gehör schädigen können. Daher gibt es immer wieder Anzeigen
bzw. Feststellungsverfahren wegen des Verdachts einer beruflichen Lärmschwerhörigkeit (BK
2301).

Aus diesem Grunde wurden Lärmmessungen in drei Kölner Zahnarztpraxen und in sieben
Dentallaboren durchgeführt.

Für Zahnärzte und Zahnmedizinische Fachangestellte wurde festgestellt, dass heute nicht
die Turbine, sondern der Absauger die lauteste Schallquelle in der Praxis darstellt. Die
Tages-Lärmexpositionspegel für drei Zahnärzte lagen zwischen 70 und 77 dB(A) und somit
deutlich unter der gehörgefährdenden Grenze von 85 dB(A). Bei den Zahntechnikern wurden
ortsbezogene Tages-Lärmexpositionspegel von ca. 68 dB(A) und personenbezogene Tages-
Lärmexpositionspegel von ca. 76 dB(A) gemessen. In Einzelfällen konnten zwar geringfügige
Überschreitungen von 80 dB(A) festgestellt werden. BK-relevante Werte wurden jedoch nicht
erreicht. – Im Übrigen ist zu berücksichtigen, dass die zahnärztlichen Turbinen in den
letzten Jahrzehnten deutlich leiser geworden sind und die Turbinenlaufzeit im
Durchschnitt täglich nur 30 Minuten beträgt.

Eine Berufserkrankung-Gefährdung (ab 85 dB(A)) gemäß der Berufskrankheitenverordnung ist
für den Regelfall beim Zahnarzt, bei der Zahnmedizinischen Fachangestellten und dem
Zahntechniker nicht gegeben.

KfO wissenscha?ftlich unzureichend abgesichert ?

Mai 8, 2008

HTA-Bericht sieht „KfO wissenschaftlich unzureichend abgesichert“ (DZW)

BMG-Studie fragt nach „Wirksamkeit kieferorthopädischer Maßnahmen“ – Ohrfeige für KfO-Forschung

Die Kernfragen, die sich nach dem vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlichten Health-Technology-Assessment-Bericht (HTA) zu „wissenschaftlichen Belegen für die Wirksamkeit kieferorthopädischer Behandlungen“ unter von der DZW befragten Experten stellen, gehen in zwei Richtungen: Welche Schlüsse ziehen daraus die Krankenkassen für die künftige Finanzierung kieferorthopädischer Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), und wie kommt die Crew der KfO-Wissenschaftler an Deutschlands Universitäten mit dieser „Ohrfeige“ zurecht, in der Forschung zu „Interventionsbedarf“ und „Erfolg“ von KfO-Maßnahmen viel zu wenig geleistet zu haben?

mehr…

Handy am Steuer: gute Ausreden – schlechte Ausreden

Mai 4, 2008

„Kalte Ohren“ reichen als Ausrede nicht – das Bußgeld wird fällig - so die WAZ

Wer dabei erwischt wird, mit dem Handy am Steuer zu telefonieren, der ist um 40 Euro ärmer – und um einen Punkt in Flensburg reicher. Deswegen versuchen viele Autofahrer, sich herauszureden. Ausreden, die nicht funktionierten:
Akku: Ein Autofahrer behauptete, das Gerät nicht zum Telefonieren, sondern als „Wärmeakku“ gegen Ohrenschmerzen benutzt zu haben. „Unglaubhaft“, so das Oberlandesgericht (OLG) Hamm – das Gericht mit den meisten „Handy-Urteilen“. Die Ausrede schütze nicht vor dem Bußgeld (was hier 70 E ausmachte). Schon „das Halten des Telefons an das Ohr“ lasse den eindeutigen Schluss zu, dass der Betroffene „auch wirklich telefoniert“ habe (AZ: 2 Ss OWi 606/07).Diktieren: Ein Geschäftsmann gab an, „nur diktiert“ zu haben. Das Thüringer OLG ließ sich darauf nicht ein: Eine „mentale Ablenkung eines Fahrzeugführers infolge der Benutzung eines Mobiltelefons“ gehe nicht allein von der Benutzung als Telefon aus, sondern auch vom „Diktieren“ (AZ: 1 Ss 82/06).

Kieferstütze: Ein Amtsrichter in Sondershausen glaubte nicht, dass der Unterkiefer eines Autofahrers „hin und wieder wackele“ und dieser das Handy nur als Stütze eingesetzt habe (AZ: 475 Js 4671/06).

Rasur: Ein Autofahrer gab zu Protokoll, er habe sich mit einem Akkurasierer den Bart gestutzt und die Lippen zur Radiomusik bewegt. Die Richter am OLG Hamm seiften ihn nachträglich ein, weil er die Aussage nicht schon – belegt durch den vermeintlichen „Rasierapparat“ – gegenüber der Polizei getroffen hatte (AZ: 2 Ss OWi 528/06).

Stütze: Behauptet ein Autofahrer entgegen der Beobachtung eines Polizisten, sich mit dem Arm an der Fahrertür abgestützt statt mit dem Handy „am linken Ohr“ telefoniert zu haben, so ist dem Polizisten eher zu glauben als dem „Täter“ (AZ: 2 Ss 228/07).

Wie immer gibt es auch hier Hintertürchen: An einer roten Ampel stehend mit ausgeschaltetem Motor darf ein Handy benutzt werden, wenn das Gespräch beendet ist, bevor der Motor wieder gestartet und bei „grün“ losgefahren wird. Das OLG Hamm strich die einem Autofahrer auferlegte Geldbuße von 40 E, weil er sich (wie beschrieben) korrekt verhalten habe. Dem Ausschalten des Motors vor einer Rotlicht zeigenden Ampel sei „Bedeutung beizumessen“ (AZ: 2 Ss OWi 190/07). Ebenso das OLG Bamberg: (AZ: 3 Ss OWi 1050/06) Aber: Läuft der Motor vor der Ampel während des Gesprächs, so ist zu zahlen – auch dann, wenn der Fahrer angerufen wurde und unklar ist, ob überhaupt ein Gespräch zustande gekommen war (OLG Hamm, 2 Ss OWi 811/05).

Wer das Mobiltelefon lediglich „von einer Ablage in eine andere“ legt (zum Beispiel, weil es klappert), der macht sich nicht strafbar. Liest er dabei eine sms, eine Telefonnummer oder die Uhrzeit vom Display ab – dann schon. (OLG Köln, 83 Ss OWi 19/05; OLG Hamm, 2 Ss OWi 402/06; OLG Hamm 2 Ss OWi 177/05). Doch Vorsicht: Rutscht das Handy während der Fahrt in den Fußraum, sollte es bis zum nächsten Halt dort liegen bleiben. Wer es aufhebt, riskiert ein Bußgeld (OLG Bamberg 3 Ss OWi 452/07).
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Brennen im Mund kann viele Ursachen haben

Mai 2, 2008

Brennen, Jucken oder Kribbeln im Mund: Die Symptome beim Burning Mouth Syndrom (BMS) sind vielfältig und die Ursachenforschung in vielen Fällen leider langwierig. Oft beginnen die Beschwerden morgens und verstärken sich im Lauf des Tages. Am häufigsten betroffen sind Frauen zwischen 40 und 50 Jahren, aber auch Patienten über 60. Die meisten beschreiben ein brennendes(„burning“) Gefühl im vorderen Zungenbereich, im vorderen Teil des harten Gaumens oder in den Unterlippen. Manche Patienten klagen sogar über stechende Schmerzen und Geschmacksstörungen.
Das Informations- und Qualitätszentrum Zahntechnik (iq:z) – eine Initiative der Zahntechniker-Innungen Baden und Württemberg – sieht in der Materialunverträglichkeit der verschiedenen Zahnmaterialien eine mögliche Ursache. „Unerwünschte Reaktionen lassen sich am besten vermeiden, wenn möglichst wenig unterschiedliche Materialien verwendet werden“, erklärt Jochen Birk, Obermeister der Zahntechniker-Innung Württemberg. Materialunverträglichkeiten können bei Frauen zudem durch Hormonumstellungen in den Wechseljahren verstärkt werden.

Meist sind Patienten mit Zahnersatz vom Burning Mouth Syndrom betroffen. „Zahnersatz muss intensiv gepflegt werden“, empfiehlt Harald Prieß, Innungsobermeister in Baden. „Denn die Plaque haftet auf künstlichem Zahnmaterial anders als auf natürlichen Zähnen.“

Die tatsächliche Ursache zu finden, dauert oft lange, da neben Materialunverträglichkeiten auch psychische Störungen wie Angst und Depressionen, aber auch Anämien, Diabetes, Eisenmangel oder Folsäuremangel die Beschwerden auslösen können. In vielen Fällen ist daher die Zusammenarbeit von Zahntechnikern, Zahnärzten, Ärzten und Psychologen notwendig.

Info:

iq:z – Informations- und Qualitätszentrum Zahntechnik

Horror vor der Zahnbehandlung: Mit Verhaltenstherapie gegen den Angstkreislauf

Mai 1, 2008
Für so manchen gehört der Besuch beim Zahnarzt zu den lästigen Pflichten, denen man von Zeit zu Zeit und manchmal auch notgedrungen nachkommen muss. Für einige Menschen aber ist schon der bloße Gedanke an den Zahnarztstuhl oder den Geruch in der Praxis der reinste Horror. Menschen mit Zahnbehandlungsangst halten Zahnschmerzen oft jahrelang aus, versuchen sie vor anderen zu verbergen und bekämpfen sie mit Schmerzmitteln. Wenn sich der Zustand der Zähne weiter verschlechtert, wird die Hürde, zum Zahnarzt zu gehen oder überhaupt nur einen Termin auszumachen, noch höher und ein Teufelskreis beginnt – das müsste jedoch nicht sein. „Mit einer Verhaltenstherapie und in Zusammenarbeit mit geschulten Zahnärzten können wir heute die Dentalphobie sehr gut behandeln“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hiller vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Auch, wenn sie in Kombination mit anderen Problemen auftritt.“ Einer Studie zufolge, ist für Menschen mit einer sogenannten Blut-, Spritzen und Verletzungsphobie die Angst vor dem Zahnarzt besonders groß.

In Deutschland leben laut Schätzungen rund 12 Millionen Menschen unter Dentalphobie, wie die Zahnbehandlungsangst auch genannt wird. Sie gehen entweder gar nicht oder nur mit extrem großer Angst zum Zahnarzt. Viele von ihnen haben bis zum ersten Besuch bei einem Arzt oder einer therapeutischen Praxis einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, der von Rückzug und gesellschaftlicher Isolation, Verheimlichungen vor der Familie, Ängsten im Beruf bis hin zu Selbstmordgedanken geprägt sein kann. Auch zahnarzterprobten Patienten steht beim Bohren, Schleifen und Spritzen schon mal der Schweiß auf der Stirn. Für Dentalphobiker kann bereits der Griff zum Telefon, um einen Arzttermin auszumachen, eine unüberwindliche Hürde sein. Das Vermeidungsverhalten mündet oft in einen Angstkreislauf, der dazu führt, dass Patienten zehn, gar zwanzig Jahre lang keinen Zahnarzt aufsuchen und die ständigen Zahnschmerzen mit Tabletten oder Alkohol bekämpfen.

Aus früheren Untersuchungen in Bochum ist bekannt, dass junge Leute mehr Angst haben vor dem Zahnarzt als ältere und Frauen mehr als Männer, wobei meist ein früheres schmerzhaftes Erlebnis beim Zahnarzt die Ursache dafür ist. In ungefähr einem Viertel der Fälle geht die Zahnbehandlungsangst auch mit der Angst vor Spritzen einher, wie eine Diplomarbeit von Maria Weigel an der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie des Psychologischen Instituts in Mainz zeigte. Menschen mit einer Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobie empfinden die angstauslösenden Reize der Zahnbehandlungsangst noch stärker als andere Dentalphobiker. Bei der Studie wurden 132 Frauen und 68 Männer zwischen 18 und 80 Jahren befragt. 25 bis 30 Prozent dieser Befragten, so zeigte sich, konnten den Zahnarzt nicht angstfrei besuchen.

Mit Hilfe einer Verhaltenstherapie kann die Angst überwunden und der Kreislauf aus Vermeidungsverhalten und immer größeren Zahnproblemen durchbrochen werden. Der Patient oder die Patientin geht dabei zunächst gemeinsam mit dem Therapeuten der Frage nach, wie die Zahnbehandlungsangst entstanden ist und aufrechterhalten wurde. „Am Anfang steht eine genaue Anamnese und Verhaltensanalyse“, erklärt Hiller. „Wann war der Patient zuletzt beim Zahnarzt? Wie hat er das erlebt? Welches Vermeidungsverhalten zeigt er? Was stört ihn beim Zahnarztbesuch besonders?“ Anhand der Antworten stellt der Therapeut eine Angsthierarchie auf, an der die verhaltenstherapeutische Behandlung ansetzt: Der Patient wird nach und nach mit verschiedenen angstauslösenden Situationen konfrontiert, wie dem Betrachten und später dem Berühren eines Zahnarztbesteckes, und lernt so, sich der Angst auszusetzen. Ist der Patient dazu bereit, folgt der Gang in die Zahnklinik, zuerst vielleicht nur als Zuschauer und später dann zur eigenen Behandlung – mit Erfolg, wie die Fälle an der Poliklinischen Institutsambulanz der Universität Mainz zeigten.

Literatur:
Maria Weigel: Der Zusammenhang zwischen Zahnbehandlungsphobie und Blut-, Spritzen- und Verletzungsphobie (2007)

Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hiller
Psychologisches Institut
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel.               06131 39-22344
Fax 06131 39-24623
E-Mail: hiller@uni-mainz.de
http://www.klinische-psychologie-mainz.de