Archiv für April 2008

Der ökonomische Status des Faktors Persönlichkeit

April 27, 2008

Was der Mensch zählt (gefunden bei lawblog)

Mit Stasi-Methoden ließ der Discounter Lidl seine Mitarbeiter ausspionieren. Der Skandal offenbart den ökonomischen Status des Faktors Persönlichkeit.

Bevor die Kasse klingelt, lächelt die Kassiererin: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Den Spruch kennt jeder, und wer die Karte hat, bekommt Prozente oder Punkte. Wer bar zahlt und ohne Rabattkarte, hat vielleicht seine Gründe, will kein „gläserner Kunde“ sein, keine Spuren hinterlassen, will anonym bleiben. Über das Lächeln der Kassiererin kann er sich trotzdem freuen. Vielleicht gilt es ja ihm persönlich. Schon die Illusion, dass es so sein könnte, tut gut. Dass auch sie dem Geschäft dient, nimmt der Kunde gerne in Kauf.

Der Lidl-Skandal offenbart, welche große Rolle der Faktor der menschlichen Persönlichkeit beim Transfer von Waren und Geld auch heute noch spielt. Mit professioneller Akribie haben die Überwacher der Discounter-Filialen notiert, ob sich ihre Zielpersonen normgerecht verhielten. Säuberlich vermerkten sie Benehmen und Habitus, Kleidung, Auftreten und Hinweise auf Arbeitsmoral ihrer Beobachtungsobjekte. Die Heimlichkeit ihres Tuns spiegelt das offenbar Illegale ihrer Angriffe auf das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen. Dabei ist Lidl nicht allein: Gewerkschafter behaupten, auch beim Drogisten Schlecker säßen bezahlte Spitzel stundenlang hinter Lochwänden und beobachten das Tun und Lassen des Personals.

Die skandalösen Praktiken erlauben Einblicke in die Ideologie des Konsums. In der Supermarktwirtschaft der Gegenwart wird nicht nur der Kunde zu einer transparenten Größe. Auch den ihm begegnenden Repräsentanten des Unternehmens gilt die Sorge der spätkapitalistischen Kontroll-Apparatschiks. Stimme, Stimmung, Auftreten: Wenn es ums Geld geht, wird praktisch alles zum Indiz. Für die Image-Ökonomen von Lidl und anderen zählt der ganze Mensch.

Als Spezialfall der Kontrolle bildet die Videoüberwachung ein Phänomen der Moderne. Im Mittelalter, um 1250, installieren die Zünfte Werkglocken, um Beginn und Ende der Arbeitszeit allgemeinverbindlich zu signalisieren. Bald aber schon geht es um die Kontrolle der Kontrolleure: Die Nachtwächter der Frühen Neuzeit müssen durch Gesang oder das Schlagen einer Glocke die Mitbürger ihrer Aktivität versichern. Später kommen klügere Systeme zum Einsatz: Um 1800 werden in München erste Kontrolluhren zur Überprüfung von Polizisten eingeführt, auch hier Instrumente zur Kontrolle des Sicherheitspersonals.

Das industrialisierte 19. Jahrhundert verfeinert diese Mechanismen bis hin zur Entwicklung von Einschreibapparaten und Stechuhren für Arbeiter und Angestellte. Eine Kollektion solcher Uhren präsentiert ab kommenden Mittwoch das Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit. Die Schau zeigt, dass die Überwachung des Personals nicht nur der Sicherung zeitlicher Abläufe dient: „Ein Ziel der Mitarbeiterkontrolle war immer der Schutz vor Unterschleif“, sagt Thomas Kosche vom Mannheimer Landesmuseum. In dieser Tradition sieht sich auch Lidl. „Kontrollen der vorhandenen Arbeitsabläufe und Verhaltensweisen“, zitiert die Illustrierte „Stern“ eine Sprecherin des Unternehmens, seien „unablässig. Diese dienen aber nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens.“ Wahrscheinlich meinte die Dame „unabdingbar“; immerhin bringt sie zum Ausdruck, dass sich die Überwachungsaktion einer durchaus bewussten Normierungs-Ideologie verdankt.

Ein Discounter wie Lidl ist nicht irgendein Ort. Er steht für eine hoch entwickelte Form des funktionalen Umschlags von Ware in Geld, für ein Maximum an Umsatz durch ein Minimum an Personal. Abstrakter, entpersonalisierter ist da nur der Handel über Katalog oder Internet. Wo sich Produkt und Kapital begegnen, winken die Waren dem Geld mit den „Liebesaugen“ der Preise, glaubte Karl Marx.

Diesen werbenden Blicken haben sich mit den Kameras der Überwachungsdetektive nun andere beigesellt. Die vom „Stern“ dokumentierte Spitzel-Prosa gleicht den Elaboraten aus den Akten der Birthler-Behörde: „Obwohl Frau N. bis jetzt im Bereich Non-Food/Aktionsware immer noch nicht allzu viel geschafft hat, macht sie pünktlich ihre Pause. Sie sitzt zusammen mit Frau L. im Pausenraum; die Kräfte unterhalten sich über Gehälter, Zuschläge und bezahlte Überstunden. Frau N. hofft ebenfalls, dass ihr Gehalt bereits heute gutgeschrieben wurde, da sie für heute Abend dringend Geld benötigt (Grund = ?).“ Die offene Gleichung weist in die Zukunft der Überwachung. Wo es um den ganzen Menschen geht, werden auch jene Faktoren erfasst und zum Sprechen gebracht, die außerhalb des Arbeitsprozesses liegen. Sicher wüssten die Beobachter mehr über das „eventuelle Fehlverhalten“ ihrer Studienobjekte, wenn sie auch deren Payback-Karten lesen könnten.

Die die Überwacher der Stasi erfassen die Lidl-Spitzel ihre Objekte mit möglichst allen Sinnen: „Frau Z. erscheint mit dem Fahrrad zum Dienst, wobei ihr Lidl-Shirt an allen Arbeitstagen bereits vor Dienstantritt durchgeschwitzt war, was man nicht nur optisch, sondern auch vom Geruch her wahrnehmen konnte.“ Es gehört zur Dialektik der Aufklärung, dass nur eine totale Kontrolle eine gute ist; dann können auch T-Shirts aussagen.

„Meines Erachtens hat Herr T. überhaupt keine Firmenidentifikation“, meldet ein besorgter Detektiv, „auch was konkret ein Vorgesetzter ist und bedeutet, scheint er nicht zu wissen oder wissen zu wollen.“ Besser lassen sich die totalitären Tendenzen der Marktwirtschaft kaum beschreiben. Nicht allein seine Arbeitskraft schuldet der Arbeitnehmer seinem Unternehmen. Wer im nachindustriellen Kapitalismus bestehen will, muss als Soft Skill die Identifikationsleistung mit der „Firma“ erbringen: „Frau U. schien mir nicht ganz bei der Sache zu sein, spricht sehr unkonzentriert“, steht in einem Protokoll vom Oktober 2007, „liegt vielleicht daran, dass sie diese Woche heiratet. Dann hätte sie allerdings die ganze Woche Urlaub nehmen müssen, wenn sie derart verwirrt ist.“

Frau U.s Scheitern an den Normierungshürden der Institution Lidl zeigt, dass sie noch einem klassischen Begriff von Arbeit als kalkulierbarer Entfremdungsleistung verpflichtet ist. Sie muss noch lernen, dass in der Postmoderne die ganze Persönlichkeit gefordert ist. Für die Mitglieder der Angestellten- und Unternehmereliten ist das längst selbstverständlich. Der Lidl-Skandal macht deutlich, dass nun auch in den traditionellen Niedriglohnsektoren das Gesetz der inneren Anpassung waltet. In früheren, vergleichsweise primitiven Zeiten ließ sich die Leistung des Arbeitstags noch in Stunden oder Stückzahlen quantifizieren. Nach der Arbeitsphase lag die Zeit der Muße, der Rekreation; historischer Fortschritt bestand in der zunehmenden Ausdehnung dieser Spanne. Das andere der Arbeit wurde zum Maß der Freiheit. Damit dürfte es jetzt vorbei sein.

In der Supermarktwirtschaft zählen die Menschen. Beseelt von ihrer Mission, sitzen sie hinter ihren Monitoren und zählen die Fehler der anderen, ihre Gänge zur Toilette, die Minuten am Telefon. Kritisch erfassen sie auch die Gefühle ihrer Zielobjekte. Statt für ihren sogenannten Arbeitgeber schlägt das Herz der Frau U. für ihren Bräutigam. Nach den Maßstäben des totalen Marktes ist das ein Fehler. Ohne Menschen, das ist die Lidl-Lektion, wäre das Geldverdienen einfacher.
„Wie die Maschine“, klagte einst Marx, unterliegt auch der Mensch „der Abnutzung und muss durch einen andern Menschen ersetzt werden.“ Das ist Vergangenheit. Heute nutzt der Faktor Mensch vor allem das System ab. Ersetzung droht ihm nicht mehr allein durch den anderen Menschen, sondern zunehmend durch die Maschine. Der Schritt vom Beraten im Tante-Emma-Laden zum Verkaufen im Supermarkt dauerte Jahrzehnte, der vom Eintippen zum Einscannen Jahre. Jetzt zeichnet sich am Horizont die menschenfreie, allseits kontrollierte Einkaufszone ab. Deren Benutzer werden sich zurücksehnen nach jenen Tagen, da noch jemand da war und nach der Payback-Karte fragte, bevor die Kasse klingelte.

Implantologie versus Parodontologie „Guided surgery“ und Langzeiterfolg

April 25, 2008

Besser Zähne erhalten als implantierten, Parodontaltherapie versus Implantologoie? Ist die „Guided surgey“ ein echter Fortschritt oder eine Hype? Was ist Langzeiterfolg in der Zahnmedizin und speziell in der Imlantologie? Diese und weitere spannende Fragestellungen und interessante Foren, zum Beispiel für junge Zahnärzte, lockten am vergangenen Wochenende 2,300 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern zum 13. Dentsply Friadent World Symposium in Berlin. Premiere hatte hier auch das weiterentwickelte Ankylos-C/X- Implantat.

Geboten wurde den Gästen aus aller Welt dabei nicht nur in der Mehrzahl gute und sehr gute Vorträge mit praxisrelevantem Wissen, sondern die Möglichkeit, sich über ein elektronisches Abstimmungssystem mit ihrer Einschätzung zu Themen von Zahnerhalt bis Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker zu beteiligen und die Referenten in der Expert Lounge noch einmal gezielt zu befragen. Viel Aufmerksamkeit fanden in der hier nur Ausschnittweise wiedergegebener Fülle der Themen die Ergebnisse der Langzeitstudien zu Implantatsysteme die von Prof. Dr. German Gomez Roman (Universität Tübingen), vorgestellt wurden. Das Tübinger Implantatregister verzeichnet von 1975 bis 2006 6,274 Implantate verschiedener Typen und Entwicklungsstadien bei 2,747 Patienten. Von diesen Systemen wurden aber nur das Frialit 2 und das Xive- Implantat für alle Indikationen eingesetzt, letzteres zeigte nach 3,6 Jahren bereits ähnlich gute Ergebnisse wie das Frialit 2 mit sehr hohen Überlebensraten, beide überzeugten dabei auch in den ästhetischen Resultaten.
Nentwig stellte die seit 1991 gesammelten Ergebnisse der Multicenterstudien zu Ankylos vor, heute sind bereits Daten für 7,660 Implantate verfügbar, die unter zahlreichen verschiedenen Aspekten wie Indikationen- Einzelzahn, Ober-/ Unterkiefer, unbezahnter Kiefer, anterior, prosterior,- Verhältnis Kronenlänge zu Implantatlänge, Implantation mit ohne Sinuslift etc. analysiert wurden. Insgesamt zeigten sich Erfolgsraten von 97,6 bis 98,3 Prozent, die Fehlerzeitpunkte lagen im Oberkiefer zum großen Teil im ersten Jahr, 30 Prozent der Spätverluste waren durch Periimplantitis zu verzeichnen. Auch im Unterkiefer gab es eine überwiegende Zahl der Implantatsverluste im ersten Jahr wegen fehlender Osseointegration. ,,Ankylos kann angesichts der vorliegenden Daten als ein evidenzbasiertes Konzept mit guten Erfolgschancen und guter Stabilität eingestuft werden´´, so Nentwig.
Der Fokus der Untersuchungen von Wegscheider lag auf Überlebensdauer und vorhersagbarer Ästhetik bei unterschiedlichen Systemen, er legte aktuelle Daten zu Frialit 2 und Xice vo, die er beide als sehr gut einstufte, er verwies aber auf die mit sechs Jahren noch kürzeren Beobachtungszeit bei Xive das Erfolgsraten von bis zu 99 Prozent aufweise. Beide Implantatssysteme haben eine gemeinsame Plattform für die Aufbauteile. Das neuere Xive- System habe besondere Vorteile bei Implantationen mit Sinuslift angezeigt.
,,Ein Implantat ist effektiv als Ersatz für fehlende Zähne, nicht für natürliche Zähne´´, diesem Satz von Bouchard gab Dr. Gerd Körner (Bielefeld) in seinem Plädoyer für die Parodontaltherapie statt Extraktionen und Implantologie seinen Zuhörern zu bedenken und untermauerte dies mit Studien zum Erfolg der Geweberegeneration in der Parodontologie und entsprechenden Fällen. Für ihn lohnt sich die Parodontaltherapie auch im ästhetischen Bereich immer, das Implantat ist eine mögliche, spätere Alternative, das hier keinen deutlichen Vorteil bietete“ so sein Statement. Implantate und implantatgetragene Prothetik hätte besseren Überlebensraten als natürliche Zähne, es gelten, die Synergien zwischen beiden Behandlungen zu nutzen, um für den Patient eine auch langfristig erfolgreiche Versorgung zu erreichen. Sein Gegenpart Dr. George R. Romanos ausgewiesener Parodontologie- Spezialist und Implantologe plädierte dagegen für eine frühzeitige Extraktion. Die Erfolgsraten und Ergebnisse der Parodontaltherapie seien nur bei Spezialisten wirklich besser, gerade in der Ästhetik gebe es oft Probleme, die durch eine Implantatsgetragene Versorgung mit geeigneten Systeme vermieden werden könnten. Auch die Perrimplantitis lasse sich durch entsprechende Vorbehandlung mit einem CO2 Laser beherrschen. Kritisch sah er die Implantation im ästhetischen Bereich aber bei Patienten mit dünner Gingiva, hier sollten die Zähne besser erhalten werden. Das Publikum war bei diesem Thema engagiert dabei, angesichts des morgendlichen Statements von Dennis Tarnow für Implantate im ästhetischen Bereich auch ein wenig hin und her gerissen, man hätte sicher gern mehr dazu gehört. Das Thema lohnt unbedingt weitere kritische Auseinandersetzungen.
Bei Thema ,,Pro und Contra Guided surgery´´ erwarteten mehr als 35 Prozent der Teilnehmer, dass sie in fünf Jahren in ihrer Praxis häufig zum Einsatz kommen werden, mehr als 30 Prozent meinten aber, sie würden auch in fünf Jahren nicht damit arbeiten. Ein richtiges Meinungsbild ergab sich auch nach den Beiträgen von Devorah Schwartz- Arad (Israel) und Dr. Marcus Abboud (Bonn) dazu nicht. Während Abboud die Vorteile der Planung und Insertion mit auf der Planung basierenden Bohrschablonen herausstellte, plädierte Schwartz- Arad für die Freiheit und die Möglichkeit, intraoperativ entscheiden zu können, sie bewertete zu dem die hohe Strahlenbelastung durch das CT negativ. Die von ihr herausgesuchten Fälle mit nötigen umfangreichen Knochenaufbaumaßnahmen waren aber ohnehin für eine ,,Guided surgery´´ schlecht geeignet, während Abboud am Beispiel des Friadent- Systems ExpertEase sonst für die normale Diagnostik oft ,,unsichtbare´´ Knocheneinziehungen und sicher daran vorbei insesierte Implantate nach 3- D Planung und Schienenherstellung zeigte.
Allerdings brachten die Vorträge mit zahnärztlicher und zahntechnischer Teamarbeit von der Planung über Insertion, Langzeitprovisorium und endgültiger Versorgung am folgenden Tag noch einige schöne Beispiele dafür, was computergeschützte Behandlungsplanung und Implantatinsertion hier heute an Präzision und Vorteile für den Patienten möglich machen.
Präsentiert wurde auf dem World Symposium auch das weiterentwickelte Anklyos- Implantat mit dem Namen Anklyos CIX, in das die langjährigen Erfahrungen mit den Vorteilen des Ankylos- Implantats, aber auch die Wünsche der Anwender und veränderten Anforderungen an die Implantatsversorgung eingeflossen sind. Die neue Generation biete in nur einem Implantat die Option der indexierten und nicht indexierten Prothetik, neu gestaltet wurde die Prothetik, das Einbringprozedere ist komplett überarbeitet, ein neues, Pfiffiges Verpackungskonzept erleichtert die sichere Entnahme bei der OP. Demonstriert wurde es auf dem Kongress unter anderem von Dr. Paul Weigl und Dipl.- Ing. Holger Zipprich.
Die Entscheidung über die indexierten Komponenten liege beim Behandler, er könnte sie als Findungshilfe nutzen, wann immer dies das prothetische Vergehen erleichtert, oder die konische Verbindungsgeometrie ohne Index nutze. Rotationsgesichert bleibe der Aufbau dabei in beiden Fällen durch den vollflächig form- und kraftschlüssigen Konus, und die freie Kombinierbarkeit bleibe dabei erhalten: Jedes Abutment passe in jedes Implantat.
Die neuen prothetischen Aufbauteile Anklyos Regular ,, CI und ,,IX´´ nehmen das Feedback der Zahntechnik auf: Ein vergrößerte Aufbaukopf reduziere Gussprobleme, die umgekehrte, jetzt konvexe Sulkusgeometrie biete mehr Möglichkeiten zur Individualisierung und erlaube ein verbessertes Emergenz- Profil. Alle Aufbauten werden für eine multifunktionelle Snap- On Kappe vorbereitet. Die prothetische Bauteile sind entsprechend für die nicht indexierte Variante mit ,,CI´´ für Konus und mit ,,IV´´ für die Indexvariante gekennzeichnet. Alle Bauteile mit der Markierung ,,CIX´´ können für beide Varianten verwendet werden.

Exakte Insertion verspricht auch das erleichterte Einbringprozedere. Das neue Implantat mit Friadent- plus- Oberfläche hat eine deutliche Stufe zwischen Implantat und Einbringpfosten. Dies hilft dem Behandler bei der präzisen Planzierung des Implantats. Im Gegensatz zur früheren Adapterschraube greife der neue Einbringpfosten unmittelbar in die Konusgeometrie ein. Dies bewirke eine höhere Stabilität der Verbindung zwischen Pfosten und Instrument und damit zusätzliche Sicherheit beim Eindrehen der Implantate.

Die reine Freude: Knochenersatzmaterial OSSEO + B

April 24, 2008

Das Unternehmen IMTEC aus Oberursel bietet dem Implantologen eine Vielfalt hochwertiger und gleichzeitig preislich attraktiver Produkte. Dazu zählen zum Beispiel ein klassisches Implantatsystem (ENDURE) und Mini-Implantate (IMTEC Sendax MDI-System). Nun kommt ein neues Knochenersatzmaterial hinzu: OSSEO + B. Es weist eine besonders gute mechanische Stabilität auf – dank dem hohen Reinheitsgrad der zugrunde liegenden Hydroxylapatitstruktur und dank einem Porensystem, dessen Aufbau dem des menschlichen Knochens fast wie ein Ei dem anderen gleicht.

Ein Knochendefizit muss in der Regel in horizontaler oder in vertikaler Richtung ausgeglichen werden. Dies kann in zahlreichen klinischen Situationen bzw. im Rahmen unterschiedlicher Behandlungsverfahren notwendig werden. Beispiele dafür sind ein interner oder externer Sinuslift, kleine Defekte im crestalen Bereich und Extraktionswunden nach Wurzelspitzenresektion oder nach der Entfernung eines Zahns.

Zur Auffüllung bzw. Rekonstruktion kann grundsätzlich autogenes Material verwendet werden, etwa durch Entnahme aus den Hüftknochen. Dabei entstehen allerdings unvermeidlicherweise ein neuer Defekt und eine neue Wunde – für den Patienten eine zusätzliche Belastung. Alternativ dazu bietet sich die Verwendung von Materialien an, deren Aufbau dem des menschlichen Knochens sehr nahe kommt. In OSSEO + B ist dies in besonders zweckmäßiger Weise gelungen, denn dieser Werkstoff basiert auf Spongiosa bovinen Ursprungs. Damit ist eine natürliche Knochenstruktur vorgegeben, während eine spezielle Hochtemperaturbehandlung u.a. durch die komplette Zerstörung von Resteiweiß die Gefahr von Infektionen oder immunologischen Überreaktionen von vornherein ausschließt.

OSSEO + B ist in zwei Granulatgrößen verfügbar: in der Partikel­größe 0,5-1 mm in Verpackungseinheiten von 0,5 cc, 1 cc und 3 cc sowie in der Partikelgröße 1-2 mm in Verpackungseinheiten von 1 cc und 3 cc – und dies zu einem attraktiven Preis (54 Euro pro 1 cc).

Außer als Alternative zu autogenem Knochen kann OSSEO + B auch in Kombination mit einem autogenen Knochentransplantat und Eigenblut des Patienten eingesetzt werden, um eine Volumen­vergrößerung zu erreichen. In jedem Fall sorgen die optimierte Struktur und Größe der Poren für eine hohe mechanische Stabilität und bieten gleichzeitig dem Knochen des Patienten ideale Voraussetzungen, das hochreine Hydroxylapatit-Netzwerk zu durchdringen – eine Form der Einheilung, wie man sie sich nur wünschen kann.

Geht es bei Nobel Biocare drunter und drüber?

April 23, 2008

glaubt man den Gerüchten, dann geht es bei Nobel Biocare derzeit drunter und drüber. Der Aktienwert ist massiv eingebrochen. Die CEO wurde geschasst und auch hierzulande rumort es gewaltig. Angeblich blieben viele Rechnungen unbezahlt und so mancher behauptet, dass die Firma mit einem Affenzahn auf eine Wand zusteuert:

Novica Savic neuer Geschäftsführer der

Nobel Biocare Deutschland GmbH

Novica Savic übernimmt ab 1. Mai 2008 die Geschäftsführung der Nobel Biocare Deutschland GmbH.

Bei Heraeus Kulzer bekleidete er seit 1996 verschiedene Führungspositionen im Bereich Prothetik. Als Global Business Manager war er erfolgreich in der Gestaltung eines neuen Portfolios und der Leitung des Produktmanagements. 2004 übernahm er als Vice President und Head of Division Removable Prosthetics die globale Leitung des Geschäftsbereichs und etablierte eine langfristige Strategie zur Rentabilitätssteigerung. Vor seinem Wechsel zu Nobel Biocare hielt Novica Savic die Position des Vice President und Head of Division Prosthetics bei Heraeus Kulzer inne. In dieser Funktion verantwortete er den gesamten Prothetik-Bereich der Unternehmensgruppe mit sechs Produktionsstätten weltweit und der Führung von mehr als 300 Mitarbeitern. Seine Branchenerfahrung hat Novica Savic um wirtschaftliche Hochschulabschlüsse als Bachelor of Marketing sowie Executive MBA erweitert und sieht diese Kombination als eine optimale Basis für seine neue Position als Geschäftsführer Nobel Biocare Deutschland: „Nobel Biocare ist eines der weltweit erfolgreichsten Dental-Unternehmen. Es ist eine große Ehre, die Geschäftsführung in einem der drei wichtigsten Märkte zu übernehmen. Mein fundiertes Wissen aus den Bereichen Zahnmedizin und Betriebswirtschaft möchte ich aktiv in den Ausbau und die Stärkung der Marktposition von Nobel Biocare in Deutschland einbringen. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, meinen Einstieg in das Implantatgeschäft und auf die Zusammenarbeit mit einem tollen, engagierten Team.

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Der Zahnarzt muss prüfen, ob der Zahntechniker CE-gekennzeichnete Materialien nutzt

April 22, 2008

laut DZW ist Bioverträglichkeit bei dentalen Werkstoffen das Qualitätskriterium Nummer eins

Herkunft, Zusammensetzung und Qualitätsprüfung von Werkstoffen für zahnmedizinische Restaurationen und Rekonstruktionen sind gegenwärtig aus verschiedenen Gründen zu einem Diskussionsthema geworden – vom „Billigzahnersatz“ aus dem Ausland bis zur Reinheit von Vollkeramiken. Wie sind diese Diskussionen und Argumente zu bewerten, welche Forderungen sind berechtigt und mit welchen Risiken müssen Patienten, Zahnärzte und Zahntechniker vielleicht einfach leben? Die DZW-Redaktion bat dazu einen der herausragenden Experten im Werkstoffbereich, Prof. Dr. Heinrich Kappert, um seine Stellungnahme in einem ausführlichen Interview, das in voller Länge in der DZW ZahnTechnik 5/08 (Beilage zur DZW-Ausgabe 19/08 vom 7. Mai 2008) erscheinen wird. „Es hilft nichts, ein Zahnarzt muss ein gebildeter, geschulter Mensch sein, der die biologischen, chemischen und physikalischen Eigenschaften der auf dem Markt angebotenen Werkstoffe beurteilen kann, eigene Erfahrungen hat und die Ergebnisse von klinischen Studien kennt. Vor allem aber muss er die medizinischen Bedürfnisse seiner Patienten erforschen und einschätzen können, um die besten Therapiemittel einsetzen zu können“, so Kappert in seiner Bewertung.

Spaßkultur statt Engagement

April 20, 2008

so das neue Deutschland:

Spaßkultur statt Engagement

Zweifel am Datenschutz, dubiose Nazi-Witze und sexistische Videos: Seit ihrer Gründung kommt die virtuelle Studenten-Community StudiVZ nicht aus den Schlagzeilen. Doch den Ansturm der Kommilitonen auf die 2005 von den Informatikstudenten Dennis Bemann und dem angehenden Wirtschaftswissenschaftler Ehsan Dariani gegründete Internetplattform taten diese Negativschlagzeilen keinen Abbruch. Nach dem Motto »Dabei sein ist alles«, wollte im Jahr 2006 sogar der eher linke Dachverband der Studierendenschaften (fzs) mit StudiVZ kooperieren. Allerdings war dort der interne Widerstand groß.

Das Argument der Kooperationsbefürworter, dass auf StudieVZ die Kommilitonen zu finden sind, die die letzten linken Studenten auf Plena und Demonstrationen vergeblich suchen, ist sicher richtig. Der Erfolg der Internetkontaktbörse sagt aber mehr über das Elend des Studentenleben in Zeiten von Bacheolor- und Masterstudiengängen aus als manche linke Flugschrift. »Erfahre, was an Deiner Hochschule abgeht! Du siehst all Deine Freunde auf einen Blick, wer wen kennt und mit wem befreundet ist«, wirbt StudieVZ auf der Homepage. Interessierte Schüler werden mit der Frage angelockt: »Möchtest Du aus erster Hand erfahren, was Dich demnächst an Deiner Uni erwartet?«

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Studierende von älteren Semestern in das Campusleben eingeführt wurden. Dabei lernten sie gleich die studentische Protestkultur kennen. Um Freunde zu treffen, brauchte man nur in ein selbstverwaltetes Fachschaftscafé oder auf eine Studentenparty zu gehen, eine Vollversammlung oder eine Demonstration zu besuchen. Ein immer mehr verschultes Studium hat die Kapazitäten für solche selbstorganisierten Aktivitäten stark eingeschränkt. Den Anschluss suchenden Kommilitonen wird dafür durch StudiVZ Entertainment geboten. Statt über die Studienbedingungen diskutieren die User über Miss-Wahlen.

STEUERRECHT FÜR ÄRZTE

April 20, 2008

Betriebliche Altersvorsorge nutzt nicht nur Arzthelferinnen – so die Ärztezeitung

Praxischefs werden als Arbeitgeber doppelt gebeutelt, wenn sie ihren Arzthelferinnen eine Lohnerhöhung gewähren. Der Abschluss einer betrieblichen Altersvorsorge kann einen für beide Seiten lukrativen Ausweg darstellen, der den Arbeitgeber nicht zu viel kostet und dem Arbeitnehmer mehr einbringt als reine Lohnerhöhungen.

Eine Erhöhung des Gehalts der Arzthelferin landet praktisch nur zur Hälfte netto auf deren Konto. Die andere Hälfte wird durch Steuern und Sozialabgaben aufgefressen. Für den Praxischef ist unerfreulich, dass er die Arbeitgeberanteile von rund 21 Prozent zusätzlich zur Bruttolohnerhöhung auch noch zu tragen hat. So kommt von einer Lohnerhöhung um 50 Euro pro Monat bei seiner Angestellten nur etwa 25 Euro an – je nach Steuerklasse auch noch weniger. Den Chef selbst kostet die Lohnerhöhung zusammen rund 60,50 Euro.

Tiermedizin kommt vor der Humanmedizin

April 17, 2008
Bundesregierung hebt Honorare um zwölf Prozent an – bei den Tierärzten
Das Kabinett stimmte dem Bericht zufolge am Mittwoch einer entsprechenden Änderung der Tierarztgebührenordnung zu, die das Bundeslandwirtschaftsministerium erarbeitet hat. Demnach werden die meisten der rund 800 in der Gebührenordnung erfassten tierärztlichen Leistungen teurer. So steigen die Preise für die allgemeine Untersuchung eines Hundes auf rund zwölf Euro und die einer Katze auf etwa acht Euro. Hinzu kämen die Kosten für Arzneimittel und Material.

geunden auf Facharzt.de

Neues All-in-one Befestigungskomposit von Heraeus Kulzer

April 13, 2008

iCEM® Self Adhesive: die einfache und zuverlässige Art der Zementierung

Mit iCEM® Self Adhesive steht Zahnärzten ab Mai 2008 das erste All-in-one Befestigungskomposit von Heraeus Kulzer zur Verfügung. In nur einem Arbeitsschritt erfolgt damit das Ätzen, Primen, Bonden, Desensibilisieren und Zementieren von indirekten Restaurationen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen, dass iCEM® Self Adhesive verlässliche Haftkraft mit einer schnellen, einfachen, anwenderfreundlichen und universellen Applikation vereint und zugleich das Risiko von post-operativen Sensibilitäten deutlich reduziert.

Das erste selbstadhäsive, dualhärtende Befestigungskomposit aus dem Haus Heraeus Kulzer basiert auf langjähriger Erfahrung in der Entwicklung von Kompositmaterialien und selbstätzenden Adhäsiven. iCEM® Self Adhesive ist äußerst vielseitig. Es deckt nahezu alle Indikationen indirekter Restaurationen und die dafür in der zahnärztlichen Praxis verwendeten Materialien ab, wie metallische und vollkeramische Kronen und Brücken, keramische und Komposit-Inlays und -Onlays oder Glasfaser-Wurzelstifte.

Anwenderfreundliche Applikation, einfaches Handling

iCEM® Self Adhesive ist besonders anwenderfreundlich: es wird mit einer Automix-Spritze unmittelbar in die indirekte Restauration oder Kavität appliziert. Zusätzliche Misch- oder Applikationsgeräte werden nicht benötigt. Die exzellente Stabilität ermöglicht eine Aufbewahrung bei Raumtemperatur. Dank seiner innovativen Rezeptur reagiert iCEM® Self Adhesive tolerant gegenüber Feuchtigkeit am präparierten Zahn. Das gewährleistet eine sichere Aushärtung und einen sichereren Randschluss. Überschüsse lassen sich bereits nach kürzester Polymerisation von ein bis zwei Sekunden mühelos entfernen. Ein weiterer Vorteil ist seine außergewöhnlich lange Verarbeitungszeit. Das Material härtet anaerobisch erst nach dem Einsetzen der Restauration aus.

Mit seinem integrierten desensibilisierenden Effekt reduziert der neue Zement deutlich das Risiko von post-operativen Sensibilitäten. Die wesentlichen Ursachen solcher Sensibilitäten – freiliegende Dentintubuli, übertrocknetes Dentin und ein Überätzen des Dentins – werden von vornherein ausgeschlossen. In einer Pilotstudie wurde bei keinem der behandelten Patienten eine materialbedingte post-operative Sensibilität festgestellt.

Verlässliche Haftkraft von weltweiten wissenschaftlichen Studien bestätigt

Zahlreiche Forscher führender Universitäten bestätigten die mechanischen Eigenschaften von iCEM® Self Adhesive. Zugfestigkeitstests der Tufts University School of Dental Medicine in Boston, USA, ergaben eine Zugfestigkeit an Wurzeldentin von fast 250 N und lagen damit über der von Produkten anderer Anbieter. In Mikrozugfestigkeitstests der Universitäten von Texas und North Carolina bewies der All-in-one Zement iCEM® Self Adhesive von Heraeus Kulzer eine verlässliche Haftkraft an Dentin vergleichbar mit klinisch bewährten Systemen. Diese und weitere Studien bestätigen, dass iCEM® Self Adhesive durch seine innovative Formulierung die Vorteile klassischer Zemente, wie einfaches Handling und Toleranz gegenüber Feuchtigkeit am Zahn, mit den hochwertigen mechanischen und ästhetischen Eigenschaften von Befestigungskompositen vereint. Zusammenfassend: Die einfache Art der Zementierung.

Keine klare Empfehlung für oder gegen Amalgam

April 7, 2008

Größte deutsche Amalgam-Studie abgeschlossen (Deutschlandfunk)

Medizin. – Amalgam, das silbrige Material der Zahnfüllungen ist ins Gerede gekommen, schließlich enthält es das giftige Schwermetall Quecksilber. Ob Amalgam tatsächlich Folgen für die Gesundheit hat, sollte eine umfangreiche Erhebung herausfinden. Zwölf Jahre dauerte sie, Tausende von Menschen wurden befragt und untersucht, in München wurden heute die Ergebnisse vorgestellt. Der Leiter der Studie, Dieter Melchert, Privatdozent für Naturheilkunde am Klinikum rechts der Isar in München, berichtete darüber im Gespräch mit Marieke Degen.

Degen: Herr Melchert, wie schädlich ist Amalgam denn nun wirklich?

Melchert: Ja, ich kann jetzt weder Entwarnung geben, noch kann ich sagen, Amalgam wäre schädlich. Wir haben versucht, die Frage an menschlichen Zelltypen zunächst einmal abzuklären. Inwieweit kleine Dosierungen von Amalgam auf menschliche Zellen wirken. Da haben wir sehr unterschiedliche Ergebnisse gesehen. Bei Blutzellen war hier kaum ein Ergebnis zu erzielen. Bei den Lymphozyten, also Phagozyten, Fresszellen, wenn Sie so wollen, des Blutes, die haben doch empfindlich auf Amalgam reagiert, wenn man die Dosis erhöht hat. Diese Beobachtung bedeutet aber überhaupt nicht, dass das irgendeine Bedeutung letztendlich für den menschlichen Organismus hat.

Degen: Kern Ihrer Studie war ja auch, dass Sie sehr viele Patienten befragt haben. Patienten, die, wie sie dachten, Beschwerden hatten aufgrund von Amalgamfüllungen.

Melchert: Bei diesen Patienten haben wir eine Vielfalt von Symptomen festgestellt, bis ungefähr 300 Einzelsymptome. Es hat sich in erster Linie verdichtet auf Symptome, die man dem Zentralnervensystem zuschreiben darf: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen. Also das ist schon eine überzufällige Häufung an derartigen, allerdings unspezifischen Stresssymptomen, die wir alle in unserer Reizüberflutung heute in Gesellschaften westlicher Art haben.

Degen: Und Sie haben keinen Zusammenhang finden können zwischen den Beschwerden, die Sie gerade beschrieben haben, uns den Amalgamfüllungen?

Melchert: Das ist jetzt eine Studie gewesen, die wir mit 34 Zahnarztpraxen in ganz Deutschland durchgeführt haben, wobei wir knapp 5000 Patienten in diesen Praxen befragt haben. Und wir konnten keine Zusammenhänge zwischen Amalgamfüllungsflächen und den Beschwerden sehen. Das heißt also, man kann nicht sagen, wenn sehr viel Amalgam im Mund ist, das ist kein Wunder, dass Sie krank werden. Diese qualitativen Zusammenhänge sind Unsinn.

Degen: Sie haben ja jetzt erstmals überhaupt untersucht, welchen Nutzen es hat, die Füllungen zu entfernen. Wie sind Sie denn dabei vorgegangen?

Melchert: Wir haben es so gemacht, dass wir bei einer sehr hohen Zahl von Patienten, das waren 1200 Interessierte, so müsste man sagen, haben wir zum Schluss nur 90 Patienten für die Studie gewinnen können, und haben die in drei Gruppen zufällig eingeteilt. Also wir hatten 60, die Amalgam entfernt bekamen, und 30, die wenn Sie so wollen, ein Antistress-Programm, ein Gesundheitsprogramm, bekommen haben und Amalgam nicht entfernt bekamen. Und das Ergebnis war: Alle haben profitiert, also die Leute, die sich Amalgam haben entfernen lassen, als auch die, die einen Stressmanagement-Kurs gemacht haben, hatten eine deutliche Verringerung ihrer Beschwerden bekommen, aber man muss sagen, eben, es ist nicht nötig, unbedingt Amalgam zu entfernen, um solche Beschwerden dann zu lindern.

Degen: Wie erklären Sie sich denn jetzt diesen Effekt im Nachhinein? Wie kommt das zustande?

Melchert: Ja, ich kann es nur so erklären, dass die Unspezifität dieser Beschwerden in einer stressbetonten Gesellschaft nun so häufig sind – es ist ja nun immer so, dass es ein persönlicher Einfluss ist: die Leute meinen, dass es Amalgam wäre – dass auch durch Stressreduktion, durch Stressmanagement diese Symptome zu lindern sind, weil man eben die Stressoren besser managed. Das ist ein Erklärungsansatz. Der zweite ist, dass wir eben wissen, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen diesen unspezifischen Beschwerden und dem Spiegel, dem so genannten Quecksilberspiegel, korreliert. Wobei bei denen, wo nicht entfernt wurde, natürlich dieser anorganische Quecksilberspiegel im Blut oder im Speichel nicht absank.

Degen: Also sollten Zahnärzte jetzt wieder zu Amalgam greifen, wenn sie Zähne füllen?

Melchert: Ich bin jetzt selbst kein Zahnarzt, um das beantworten zu können. Ich würde jetzt hier keinen Freifahrtschein dem Amalgam gegeben, im Einzelfall können Schädigungen auftreten. Unverträglichkeitsfälle, und in seltenen Fällen, das ist nachgewiesen, auch tatsächliche Allergien auf dieses Füllungsmaterial. Das sind die Einzelfälle.

Degen: Und sie sind Grund genug, um Amalgam nicht unbedingt weiter einzusetzen, sagt Dieter Melchert vom Klinikum rechts der Isar.