Archiv für März 2008

Ärzte und Zahnärzte klagen gegen Gesundheitsreform

März 31, 2008

Berlin – Verfassungsbeschwerden gegen Regelungen der jüngsten Gesundheitsreform eingereicht haben sechs Ärzte und Zahnärzte beim Bundesverfassungsgericht. Unterstützt werden sie dabei durch den Freien Verband Deutscher Zahnärzte, den Privatärztlichen Bundesverband, den Verband der Privatärztlichen VerrechnungsStellen und die Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte. Helge Sodan, Direktor des Deutschen Instituts für Gesundheitsrecht und früherer Präsident des Verfassungsgerichtshofes des Landes Berlin unterstützt die Beschwerde.

Jeweils ein Vertragsarzt und ein Vertragszahnarzt wehren sich gegen die Behandlungspflicht, die das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz ihnen für die in den Standardtarifen und den künftigen Basistarifen Versicherten auferlegt. Die mit diesen Tarifen für Vertragsärzte und -zahnärzte verbundene Behandlungspflicht für eine ganze Patientengruppe sei ein absolutes Novum im privatärztlichen Berufsrecht.

Ein Arzt und ein Zahnarzt greifen jeweils mit ihrer Verfassungsbeschwerde die für die private Krankenversicherung gesetzlich geregelte Übertragbarkeit von Alterungsrückstellungen an. Diese werden aus einem Teil der vom Versicherten zu zahlenden Nettoprämie gebildet. Sie sollen die alterungsbedingt steigenden Krankheitskosten ausgleichen, die zu einer Erhöhung der Versicherungsbeiträge im Alter führen müssten. Die künftige Mitnahme von Alterungsrückstellungen habe eine negative Risikoselektion zur Folge, die zu erheblichen Beitragssteigerungen bei den verbliebenen Versicherten führen werde, so die Argumentation.

Schließlich wenden sich ein Arzt und ein Zahnarzt gegen die nur für die gesetzliche Krankenversicherung geregelte Steuerfinanzierung der beitragsfreien Mitversicherung von Kindern. Jeder Beschwerdeführer ist Vater von zwei Kindern, für die er eine private Krankenversicherung abgeschlossen hat. Die Beschwerdeführer sehen im Verhalten des Gesetzgebers eine Verletzung des allgemeinen Gleichheitssatzes. Der Staat sei grundsätzlich zur Förderung aller Kinder verpflichtet, unabhängig von der Art ihres Krankenversicherungsschutzes. © hil/aerzteblatt.de

Bohren mit Stil

März 30, 2008

Beim Zahnarzt konnte man schon immer etwas erleben. Haleh und Golnar Abivardi wollen, dass es etwas Schönes ist. (aus das magazin.ch)

Die Schwestern Abivardi glauben beide an ein durch Arbeit gesteigertes Leben. «Wir haben wenig Zeit für Hobbys», sagen sie oder «Die Arbeit ist unser Hobby». Oft fällt bei ihnen der Satz: «Die Arbeit ist unser drittes Kind.» Haleh und Golnar Abivardi sagen alles lächelnd. Sie bitten eine Dentalassistentin, die selbstdesignten Hosen, die Corporate Identity der neuen, in London geplanten Praxis namens Swiss Smile vorzuführen. Oder sie beklagen gegenüber den Verantwortlichen den mehrfachen Absturz des Computersystems in kurzem Zeitraum. Nie wird ihre Stimme laut, nie verliert sich ihre Freundlichkeit. Immer strahlen einen ihre vier oberen Schneidezähne an, deren augenfällige Perfektion Keramikschalen, sogenannten Veneers, geschuldet ist.

Zum von den Abivardi Schwestern gebotenen Standard gehört auch «der gesunde Menschenverstand». Der ihre ging durch keine Managerkurse, er schulte sich an ihnen selbst, darin sehen sie ihr Erfolgsgeheimnis Nummer 2: «Wir wollen das anbieten, was wir uns für uns selber wünschen», sagen die Schwestern. Und: «Wir denken uns in unsere Kunden hinein.»

Genau so wurde ihre Geschäftsidee geboren. Drei Jahre nach dem Dr.-med.-dent.-Diplom an der Universität Zürich eröffneten sie eine Praxis im Thurgauischen, wo ihnen die Dichte ihres Berufsstandes erträglicher schien als in Zürich. Das bedeutete pendeln. Zürich–Amriswil, Amriswil–Zürich, Zürich–Amriswil, viel Zeit auf Bahnhöfen, Zeit, die mit Warten verstrich und in der sie viele, viele andere Pendler beobachten konnten. Diesen Befund galt es, in einen Nutzen zu verkehren, die leere Zeit als vorteilhaft für – zum Beispiel – einen Zahnarztbesuch zu begreifen. Damit dürfte man doch einem echten Bedürfnis entsprechen, waren Abivardi und Abivardi überzeugt.

Als die UBS dann vom Shopville im Hauptbahnhof wegzog und Räumlichkeiten frei wurden, sahen die Schwestern ihre Chance gekommen, in Zürich Fuss zu fassen und ein Zahnärzte Zentrum zu gründen. Die Abivardis bieten zahnmedizinische Infrastruktur auf neustem Stand, medizinisches Personal, Réception; andere Zahnärzte mieten sich bei ihnen ein, und die Belegärzte zahlen für die genutzte Infrastruktur. Das ist das Geschäftsmodell. Es erlaubt zahnärztliche Dienste an 365 Tagen im Jahr, praktisch rund um die Uhr. So könnten sie sich dem «Rhythmus des modernen Menschen bestmöglich anpassen» und «grösste Kundennähe, buchstäblich, bieten», sagen sie. Und so bringen sie ihr Erfolgsgeheimnis Nummer 3 auf den Punkt: «Wir gehen zu den Leuten, die Leute müssen nicht zu uns kommen.»

Zürich, London, Dubai

«Denn was fehlt heute am meisten? Ist es nicht Zeit?», fragt Haleh Abivardi rhetorisch. Eben liess sie sich eine Apparatur vorführen, mit deren Hilfe Zähne auf schonende Art in einer Stunde aufgehellt werden können.

«Doch sollte man mit der Helligkeit nicht übertreiben, es muss zur Person und ihrem Alter passen», sagen die beiden.

Ein Erfolg so gross wie das ganze Unternehmen, das vor etwas mehr als drei Jahren gegründet wurde. Inzwischen arbeiten 150 Leute im Zahnärzte Zentrum Zürich Hauptbahnhof und Bahnhofstrasse, täglich werden dreihundert Termine gebucht, 2006 ist der Jahresumsatz bereits in deutlich zweistellige Millionenhöhe geklettert. Und Abivardis werden expandieren. Im Juli gehen in St. Moritz die Türen auf, im September in London, im Jahr 2009 in Dubai. Um ihre Auslandgeschäfte finanzieren zu können, haben sie eine Minderheit ihrer Firma an die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech Ventures verkauft. In Zürich selber haben sie schon expandiert. Ganz in die Nähe vom Shopville, an die Bahnhofstrasse 110, eine weitere Grosspraxis, zwei Stockwerke an exklusivster Adresse.

Doch wo Erfolg ist, ist auch Kritik. Gerade in Zürich, wo manch ein Zahnarzt überkapazitäten hat. Hört man sich in der Branche um, werden zum Beispiel die Preise kritisiert. Wer an solch zentraler Lage seine Dienste anbiete, könne unmöglich zu gleichen Preisen arbeiten wie jemand an günstigerer Lage, heisst es.

Abivardis sagen: «Unsere Preise sind im Mittelfeld.» Und sie erklären das tiefere Preisniveau mit der effizienteren Nutzung der Infrastruktur durch alle Beteiligten.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die häufigen Personalwechsel.

Abivardis sagen: «Am Anfang hatten wir Personalwechsel, der durch das neuartige Konzept der Schichtarbeit bedingt war. Aber das ist seit über zwei Jahren nicht mehr der Fall.»

Das Kasino ist ein Kino ist eine Praxis

Auf die Frage, was ihr zum Thema «Zähne» so in den Sinn komme, antwortet Golnar Abivardi mit «Ausstrahlung, Gesundheit» und – ja, klar – während sie das sagt, trägt sie ein sanftes Lächeln auf dem Gesicht. Hätte sie etwa mit «Zahnweh, Zahnarzt, die feine Tortur des Bohrgeräusches» geantwortet, wäre man tatsächlich sehr erstaunt gewesen. Denn im Zahnärzte Zentrum Zürich werden zwar auch Notfälle behandelt und normale medizinische Probleme wie kariöse Zähne, fehlende Zähne, undichte Füllungen.

Doch es geht immer auch um Lifestyle. Das ist Haleh Abivardis Erfolgsgeheimnis Nummer 4. Golnar Abivardi führt einen durch «das entspannende Flair der virtuellen Unterwasserwelt» des Zentrums im Zürcher Shopville. Der Weg geht von der Réception die Treppe hinunter, dorthin, wo die Behandlungszimmer sind. Von den Wänden blinken exotisch bunte Fische und Wasserpflanzen. Wie in einem Aquarium. Und auch ein bisschen wie in einem Kasino. Bliebe man länger, verlöre man sein Zeitgefühl. Kein Tag, keine Nacht, keine Zukunft, keine Vergangenheit. Auch eine Art Kino ist das hier. Abivardi zeigt auf die Grossleinwand im Wartezimmer: «Da kann man Filme schauen.» Sogar vom Zahnarztstuhl aus ist dies möglich. Kein Zweifel, diese Räume wollen ein «Erlebnis» bieten, zusätzlich zur zahnmedizinischen Zweckmässigkeit.

Das gilt auch für die auf ästhetik spezialisierte Praxis in der Bahnhofstrasse 110. Nicht nur Power Bleaching, Home Bleaching. Auch Implantate. Veneers. Pink-Esthetic, also Zahnfleischkorrekturen. Und Amalgam raus, zahnfarbene Cerec-Füllung rein. Sodass bedenkenlos lange mit offenem Mund gelacht werden kann und dabei nur intakte Backenzähne sichtbar sind. Dann die unsichtbare Spange: Brackets, auf der Zahninnenseite aufgeklebt. Damit die Zähne irgendwann gerade in einer Reihe stehen. Und man sich nicht länger unterscheidet von all den anderen, deren Zähne auch gerade in einer Reihe stehen.

Hier, in der Bahnhofstrasse 110 wurden nicht nur die Teppiche angepasst. Auch die Freundlichkeit der Réceptionistin ist massgeschneidert. («Für die Réceptionistinnen verfass-ten wir ein Handbuch, zusammengestellt aus Handbüchern für das Hotelpersonal, Telefonis-tinnen und Dentalfachfrauen, denn genau diese Kompetenzmischung ist bei uns gefragt».)

Bei Männern sind sie sich nie einig

Selbstverständlich wurde auch bei der Innenausstattung nichts dem Zufall oder Innenarchitekten überlassen. Es scheint, als sei ihr fünf-tes Erfolgsgeheimnis, die Kontrolle nicht aus der Hand zu geben. Hier haben die Abivardis ihre Vorstellungen von zeitloser Eleganz umgesetzt. Jedes Farbmuster wurde persönlich von ihnen ausgewählt. Das Resultat wirkt beruhigend in dem Sinne, als es im Betrachter keine kreativen Schübe entzündet und nicht notwendig ein Geschmacksurteil einfordert. Weisse Blumen, mit dunklem Holz verkleidete Räume, grosszügig. Die Zeitschriften im Wartezimmer sind nicht pelzig zerlesen wie anderswo, dafür hat es einfach zu viele, auch internationale. Denn selbst bei Leuten, die zum Beispiel extra aus Russland hierherfliegen, um sich ein netteres Lächeln anzuschaffen, kann es passieren, dass sie warten müssen. Haleh Abivardi bestätigt: «Wir wollen keine Ausnahmen machen und behandeln alle Kunden gleich.»

Golnar Abivardi ist jetzt auch wieder da. Sie wurde aufgehalten, «etwas Administratives». «Aber eigentlich machen wir alles gemeinsam», sagt Haleh. Ihre Arbeitstage würden sie zu einem grossen Teil Seite an Seite verbringen. Jetzt zum Beispiel formulieren sie gemeinsam Dankesschreiben für die erhaltenen Glückwünsche zum Prix Veuve Clicquot, der sie als Unternehmerinnen des Jahres auszeichnete.

Untereinander, gibt es da keine Arbeitsteilung? Die Antworten kommen in ergänzender Eintracht. «Haleh hat Ideen und hat ein Flair für Zahlen», sagt Golnar.

«Golnar ist für die Klinik und Personal zuständig, gemeinsam werden die kreativen und strategischen Entscheidungen getroffen», sagt Haleh. «Der Vorteil ist, wir denken gleich.» Das sagen beide. Wie kommts? «Das ist einfach so.» Das sagen auch beide.

Eifersucht? Männer?

«Männer?» Zum ersten Mal ein richtiges, ein hörbares Lachen. Von beiden. «Bei Männern waren wir uns nie einig», sagt Haleh. Ihre Schwester nickt. Inwiefern?

«Meiner ist dunkelhaarig, deiner blond.» Und sonst?

Der eine ist Unternehmer (Haleh), der andere Augenchirurg (Golnar).

Swiss Smile an der New Bond Street

Mittag ist längst vorbei, und keine der Schwestern war mit Zeit für mehr als einen Granny Smith gesegnet. Schon warten die Architekten für London, wo die Abivardis ein zahnmedizinisches Zentrum unter dem Namen Swiss Smile in Kürze eröffnen werden. Auch die von ihnen neu lancierte Zahnpflegelinie heisst so. Ein animierender Name, eine Verheissung. «Wir möchten die schweizer Qualität auch in der Zahnmedizin im Ausland bekannt machen», das sagen die in der Schweiz aufgewachsenen Töchter persischer Eltern.

Damit dieser Ruf sich im Zentrum Londons, an der exquisiten New Bond Street, entfalten kann, muss Swissness auch augenfällig werden. Etwas Chaletstyle, aber zeitgemäss. Vielleicht ein Cheminée? Sicher ein Bergpanorama. Und was kommt ins Schaufenster? Darum geht es. Haleh stellt Fragen, liest die Pläne und greift korrigierend ein, wenn zum Beispiel die Stellung der Behandlungsstühle zur Diskussion steht. Gerade bitte, nicht schräg. Sieht ruhiger aus, spart Platz. Auch ihre Schwester stellt Fragen, kritisch, und schliesst sie mit einem Lächeln ab. Der Ton ist angenehm, beherrscht, sachlich.

Mag sein, dass manche in den Abivardi Schwestern eine Art Traumfiguren sehen. Zu perfekt, um wahr zu sein. Sie sind intelligent. Sie haben Manieren. Alles an ihnen wirkt gepflegt, die Haare, die Stimme, die Kleider sitzen wie angegossen, der Teint ist porenfrei mattiert. Irgendetwas muss ihnen doch fehlen.

«Besonders am Anfang traute man uns nicht zu, dass wir genügend Hartnäckigkeit besitzen würden», sagt Golnar Abivardi. Das war offenbar die offensichtlichste Form von Sexismus, die ihnen begegnete.

Ihr Erfolgsgeheimnis Nummer 6 lautet denn auch: «Hartnäckigkeit». Die Schwestern haben sie von ihren Eltern in die Wiege gelegt bekommen. «Geht nicht, gibts nicht», sagte ihre Mutter, die ein Englischinstitut besass, oft.

Golnar und Haleh Abivardi haben selber je zwei Kinder. Was erhoffen sie sich für sie? «Dass sie etwas finden, was ihnen wirklich Freude macht.» Und das ist ja auch das Erfolgsgeheimnis Nummer 1 der Abivardi Schwestern: «Die Arbeit ist unser Hobby.»

Misslungenes Piercing – Kostenbeteiligung für Versicherte

März 18, 2008

Berlin – Wenn eine medizinisch nicht nötige Schönheitsoperation, eine Tätowierung oder ein Piercing misslingt, sollen Versicherte künftig an den Krankheitskosten beteiligt werden können. (Rundschau Online)
Mit der Pflegereform hat der Bundestag am Freitag (14. März) auch eine umstrittene Verpflichtung der Ärzte zur Meldung solcher Krankheitsursachen auf den Weg gebracht. Die Krankenkassen bekommen dann das Recht, Versicherte an den Kosten zu beteiligen.

Ärzte und Krankenhäuser sollen den gesetzlichen Kassen entsprechende Daten übermitteln. Der Versicherte soll darüber informiert werden, damit er gegebenenfalls gegen eine Leistungskürzung vorgehen kann. Die Regelung, die in der Sache nichts mit der Pflegereform zu tun hat, dient als weitere Umsetzung der bereits 2007 in Kraft getretenen Gesundheitsreform. (dpa)

Ästhetik vs. Kosmetik

März 14, 2008

dickes Lob für die DZW vom Gesundheitsblog:

„Rein kosmetisch motivierte invasive Behandlungen naturgesunder Zähne mittels Veneers oder gar Kronen lassen die Zahnmedizin in eine Identität zurückfallen, die näher beim Bader als beim Arzt liegt.Prof. Dr. Thomas Imfeld, Zentrum für Zahn-, Mund- und

Kieferheilkunde der Universität Zürich, in einen Interview mit der Zeitung „Die Zahnarzt Woche (DZW)“.“

Deutsche wissen zu wenig über Parodontalerkrankungen

März 9, 2008

Intensivere Aufklärung notwendig

Das Wissen der Deutschen um Ursachen und Folgen der
Parodontitis ist trotz der großen Verbreitung der Erkrankung unzureichend und
bruchstückhaft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die das Institut der
Deutschen Zahnärzte (IDZ) gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universitäten
Gießen und Dresden im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung
(KZBV) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) durchgeführt hat. In einer
repräsentativen Befragung konnten mehr als 60 Prozent der gut tausend Befragten
spontan keine Folgerisiken der Parodontitis wie Zahnverlust benennen. Fast 70
Prozent ist der Zusammenhang zwischen unzureichender Mundhygiene und ihrer
Entstehung nicht bewusst.
Der Vorsitzende des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Dr.
Jürgen Fedderwitz, forderte Konsequenzen aus der Studie: „Parodontitis hat bei den
Erwachsenen und Senioren die Karies als Zahnkiller Nummer eins abgelöst. Sie hat
zudem negative Wechselwirkungen mit Volkskrankheiten wie Diabetes oder
Herzinfarkt. Deshalb müssen wir verstärkt unsere zahnärztliche Tätigkeit darauf
ausrichten, damit wir das hohe Niveau der Mundgesundheit in Deutschland auf
Dauer halten. Das wird sonst unser Sorgenkind.“Für den Vizepräsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar Oesterreich, steht dabei vor allem die Prävention im Vordergrund: „Wir können der Parodontitis mit einer guten häuslichen Mundhygiene und einer professionellen Begleitung durch den Zahnarzt in vielen Fällen erfolgreich entgegentreten oder ihr Fortschreiten verhindern. Deshalb muss sich die Aufklärungsarbeit weiterhin auf die Prävention Konzentrieren und auch über gemeinsame Risikofaktoren auf die Mund- und Allgemeingesundheit gleichermaßen informieren, wie beispielweise das Rauchen.“
Die Studie „Parodontitisrelevantes Wissen in der Bevölkerung der Bundesrepublik
Deutschland“ steht unter www.kzbv.de und www.bzaek.de zum Download zur Verfügung.
Zum Hintergrund: Parodontitis, im Volksmund oft als ‚Parodontose‘ bezeichnet, ist eine meist schleichend und schmerzlos verlaufende Erkrankung. Dabei kommt es zu
Zahnfleischentzündungen, die chronisch werden, auf den Kieferknochen übergreifen und den gesamten Zahnhalteapparat schädigen. Am Ende des oft langjährigen Prozesses steht ohne Behandlung der Zahnverlust. Nach Ergebnissen der Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS IV) des IDZ aus dem Jahr 2006 leiden bis zu 20 Prozent der 35- bis 44-Jährigen und bis zu 40 Prozent der 65-bis 74-Jährigen an einer schweren Form der parodontalen Erkrankung.

Zahnarzt und Bestsellerautor

März 3, 2008

Der ägyptische Schriftsteller Alaa al-Aswani

So Mona Naggar im Deutschlandradio

Alaa al-Aswani gehört zurzeit zu den erfolgreichsten ägyptischen Schriftstellern weltweit. Der Roman „Der Jakubijan-Bau“ ist inzwischen in 20 Sprachen übersetzt worden und hat mehrere Preise gewonnen. In der arabischen Welt ist das Buch nach wie vor ein Bestseller. Sein neuester Roman schildert die Erlebnisse eines ägyptischen Emigranten in Chicago.

In einem unscheinbaren mehrstöckigen Gebäude im Stadtteil Garden City befindet sich die Praxis von Alaa al-Aswani. Hauptberuflich ist er Zahnarzt. In einem spartanisch eingerichteten Raum sitzt der großgewachsene dunkelhäutige Arzt und Schriftsteller an einem kleinen Schreibtisch. Im Hintergrund steht der Behandlungsstuhl:

„Bei uns kann man nicht von der Schriftstellerei leben. Man muss immer einen zweiten Beruf haben. Mein Vater war zwar Schriftsteller, aber im Hauptberuf Rechtsanwalt. Man könnte vielleicht vom Schreiben leben, wenn man fürs Fernsehen oder fürs Theater arbeitet. Also beschloss ich, Zahnmedizin zu studieren. Ich habe in Ägypten und in den USA studiert. Als Zahnarzt kann man seine Zeit wunderbar zwischen der Praxis und dem Schreiben einteilen. Außerdem habe ich täglich Kontakt zu sehr unterschiedlichen Menschen. Das ist ein wahrer Schatz für einen Schriftsteller.“

Al-Aswanis Romane sind eine gelungene Mischung aus den drei Tabus der arabischen Welt: Religion, Politik und Sexualität. Er thematisiert den verkommenen Staatsislam und den radikalen, gewalttätigen, politischen Islam. Er prangert die Korruption an, die den gesamten ägyptischen Staatsapparat bis zum höchsten Amt durchzieht. Al-Aswani schreibt über sexuelle Frustration, Vergewaltigung im Gefängnis und über homosexuelle Liebesabenteuer.

Der 51-jährige Schriftsteller macht sich in seinen Büchern zum Sprachrohr der Jugend, die an den verkrusteten Strukturen im eigenen Land fast verzweifelt. Er gehört zu den wenigen zeitgenössischen arabischen Schriftstellern, die sich literarisch mit dem Lebensweg eines radikalen Islamisten auseinandergesetzt haben.

Alaa al-Aswanis fiktive Welten haben stets einen Bezug zu seiner Biographie. Der Bestseller „Der Jakubijan Bau“ spielt in „Wust al-Balad“, jener Stadtteil im Zentrum Kairos, wo al-Aswani geboren und aufgewachsen ist. Dort besuchte er auch eine französische Schule. Jahre später bezieht er im gleichen Viertel eine Praxis.

Sein jüngstes Buch „Chicago“, das gerade in deutscher Übersetzung erschienen ist, spielt in den USA, in der gleichnamigen Großstadt am Michigansee und an der Universität von Illinois:

„Es war kein bewusster Entschluss von mir, die Handlung in die USA zu verlagern. Der Romancier schöpft immer aus seiner menschlichen Erfahrung und ich habe in Chicago und genau an dieser Universität studiert. Während meines Aufenthaltes habe ich mich bemüht, offen zu sein und unvoreingenommen meine Umgebung wahrzunehmen. Damals schon habe ich Material für einen möglichen Roman gesammelt. Angst davor, bei der Beschreibung einer westlichen Gesellschaft in Stereotypen zu verfallen, habe ich nicht. Ich schreibe über etwas, das ich kenne. Hinzukommt, dass mein Verständnis von Kultur dem Modebegriff vom ‘Kampf der Kulturen’ diametral entgegengesetzt ist. So etwas gibt es nicht. Was wir gerade erleben, sind politische Konflikte zwischen Staaten.“

In Ägypten ist Alaa al-Aswani auch als Kolumnist verschiedener kleiner Oppositionsblätter bekannt. Er nimmt Stellung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen und nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er prangert die Despotie des Staatspräsidenten Husni Mubarak an und die Repression seiner Sicherheitsapparate. Er kritisiert die Verbreitung konservativer islamischer Ideen und die Verhaltensregeln in der ägyptischen Gesellschaft.

Al-Aswani ist es wichtig, zwischen seinem politischen Engagement und seinem literarischen Schaffen eine klare Grenze zu ziehen:

„Nicht soziale Beweggründe treiben mich dazu, einen Roman zu schreiben. Mein Ziel ist es, Literatur zu schaffen ( … ), nicht etwa die Befreiung des Menschen oder die Gleichberechtigung der Frau zu fordern. Über diese Themen schreibe ich Kommentare oder Artikel.“

Aber vielleicht gehört gerade sein Wissen um die Themen, die die Menschen auf der Straße bewegen und seine Teilnahme an den aktuellen politischen Diskussionen zu den Gründen seines außerordentlichen Erfolges. Sein Werk trifft die Stimmung, die von Marokko bis Saudi Arabien seit dem 11.9.01 vorherrscht: Ein Gefühl tiefer Frustration, Ratlosigkeit und Wut angesichts des politischen und gesellschaftlichen Stillstandes in den arabischen Ländern. Und in der westlichen Welt kommt vor allem „Der Jakubijan-Bau“ dem Wunsch entgegen, die Vorgänge in jenen Gesellschaften besser zu verstehen.

Al-Aswani ist selbstbewusst. Voller Stolz und Freude spricht er über die weltweite Verbreitung seiner Bücher:

„Meine Bücher sind in 20 Sprachen übersetzt worden. In Italien, USA und Großbritannien bin ich bei wichtigen Verlagen untergekommen. Letztendlich kommt mein Erfolg auch der arabischen Literatur zugute. Nach dem sich mein Buch in Italien sehr gut verkauft hat, bat mich mein Verlag Feltrinelli, ihm Werke aus der arabischen Literatur zur Übersetzung vorzuschlagen. Das hat mich natürlich sehr gefreut!“